Bist du Scheidungskind? Wenn ja, geht es dir wie vielen Jugendlichen. Auch einem kleinen Jungen in einem Fuldaer Musikvideo fehlt sein Papa. Der Song „Sag mir, wo mein Papa ist“ sensibilisiert für das Thema. Er ruft dir zu: Du bist nicht allein! Regisseur Timm Fütterer (25), Initiator des Projekt „Von der Straße ins Studio“ (VDSIS) und Referendar an der Konrad-Adenauer-Schule, hat uns erzählt, wie er auf die Idee zum Musikvideo gekommen ist und wie zufrieden er mit dem Feedback ist.

Wie bist du auf die Idee zu dem Video gekommen?

Das ist ein sehr gravierendes Thema. Es gibt sehr viele Scheidungskinder. Viele leiden darunter, nur mit einem Elternteil aufzuwachsen. Es wird häufig unterschätzt, welche Folgen das für die Entwicklung des Kindes haben kann. Hierfür wollten wir sensibilisieren, indem wir so ein Schicksal aufzeigen und bewusst machen, wie sich der Junge fühlt. Es geht auch darum, Verständnis für die Situation zu schaffen.

Warum stehen der Fußball und der Sportplatz so stark im Vordergrund?

Fußball ist eine Sache, die sehr viele anspricht. Jeder, der mit einem Sportverein zu tun hat, weiß, es gibt Eltern die einen mehr unterstützen als andere. Im Video zeigen wir viele engagierte Väter und der Junge in der Hauptrolle hat halt leider keinen. Das hat eine sehr starke Symbolkraft, dass er da alleine dasteht.

Im Video sieht man auch Timo Zentgraf, Bürgermeister von Künzell.

Ja, die ganze Gemeinde Künzell und der JSG Künzell haben uns stark unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind. Wenn man die Szene auf dem Sportplatz aus der Luft sieht, denkt man, hier findet ein richtiges Fußballspiel statt. Aber das war ja alles gestellt. Die Leute sind alle explizit für den Dreh gekommen.

Wie haben die Jugendlichen mitgearbeitet?

Großartig. Beim Dreh waren viele neue Gesichter dabei. Für viele Kinder und Jugendliche war es der erste. Da war die Motivation richtig hoch. So wünscht man sich das. Da bin ich auch total begeistert von. Der Hauptdarsteller, Samuel Torres Wertmüller (9), war als Statist bei Still und Stumm mit dabei und hat dort nur eine ganz ganz kurze Szene. Aber die hat er emotional so gut rübergebracht, dass wir gesagt haben, der schafft es sicher auch, eine Hauptrolle zu tragen. Da war er ganz nervös, wie man auch im Making-Of sehen kann. Das sagt er auch im Making-of. Letztlich hat er es aber super gemeistert.

Welche Herausforderungen sind während der Produktion aufgetaucht?

Keine besonderen. Unser Team ist so eingespielt und routiniert, dass das alles reibungslos verlief. Und wenn man noch das Glück hat, Leute zu haben, die so engagiert mithelfen, wie die Eltern der Kinder, ist das natürlich das größte Glück. Ein Dreh ist immer ein Gemeinschaftsprojekt. Es geht ja auch nur mit allen zusammen. Ein Einzelkämpfer kann nicht so ein Video machen. Jeder einzelne ist da wichtig. Nach nur vier Tagen war das Video fertig.

Welches Feedback hast du zu dem Video bekommen?

Das Feedback ist Wahnsinn. In den Kommentaren schreiben Leute echt über ihre Lebensgeschichte. Es ist ergreifend, wie viele Menschen sich mit dieser Thematik beschäftigen oder wie vielen das Thema zu schaffen macht. Das haben sogar Erwachsene geschrieben. Die vielen Schicksale sind wirklich bewegend. Das hatten wir auch noch nie. Da haben wir dagesessen und gedacht: Das gibt’s doch gar nicht, dass wir da so einen Nerv treffen.

Wie zufrieden bist du mit den Klickzahlen? Nach nur wenigen Tagen haben sich schon mehr als 23.000 Menschen das Video angeschaut.

Dass wir so viele Klicks in so kurzer Zeit bekommen, hätten wir nicht gedacht. Das ist schon sehr stark. Natürlich haben das nicht nur Leute in Fulda geschaut, sondern auch überregional. So viele Klicks kommen ja nicht nur durch Fulda zustande. Wir freuen uns darüber, dass wir deutschlandweit Menschen mit unseren Botschaften erreichen können.

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QuelleFoto: Von der Straße ins Studio
Die Autoren:

Toni Spangenberg

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move36-Redakteur mit einem Faible für die Anime- und Mangaszene. Er nimmt Themen rund um Karriere und Politik in den Blick.