Bald ist es soweit: Die Lange SPIELENacht #52 lockt am 22. April wieder Brettspielfans in die Barockstadt. Brettspielen, das gehört zu Fulda. Denn hier gibt es schon seit mehr als 25 Jahren eine kleine, aber aktive Spielszene und eine eigene Spieleberatung. Das im Dezember erschienene Spiel „Osthessen-Tour“ aus Fulda war innerhalb weniger Wochen vergriffen und ist erst jetzt wieder erhältlich. Wir haben uns in der Szene umgeschaut.

Es ist kaum ein Platz frei im Kinder- und Jugendtreff Zitrone im Fuldaer Zitronemannsgässchen. Doch heute tummeln sich hier nicht die ganz jungen Fuldaer, auf den Stühlen sitzen Jugendliche, Studis, Berufstätige – Menschen zwischen 16 und Mitte 50. Sie würfeln, legen Karten, schauen sich mit Pokerface an. Auf dem Tresen türmen sich Tüten und Klappboxen mit Brettspielen, Karten, Spielfiguren. Selbst auf dem Billardtisch liegen keine Kugeln, sondern Holzhindernisse, die Spieler mit kleinen Plastikgrashüpfern umhüpfen müssen. Es ist Spieletreff in der Zitrone. Und bis hier heute das Licht ausgeht, wird Mitternacht lange vor bei sein.

In Fulda ist Brettspielen fest verankert. Hier treffen sich seit 1991 einmal im Monat Brettspielfans und zocken, was der Markt so hergibt. Auch in Lauterbach und Alsfeld gibt es Treffs. Zweimal im Jahr wird in Fulda zur Langen Nacht eingeladen, die am 22. April ihre 52. Auflage feiert. Schon zehn Jahre länger, nämlich seit 1981, hat die Stadt eine eigene Spieleberatung, in der mehr als 1500 Spiele und Spielgeräte darauf warten, ausgeliehen zu
werden. Andreas Goldberg und seine Kollegen Cordula Widmann und Stefanie Gensler geben hier Spielefans und solchen, die es werden wollen, Tipps für den perfekten Spieleabend.

Deep Sea Adventure, Spiele

Eine wachsende Szene

Als vor fast 30 Jahren am Aschenberg die ersten Spielenachmittage gestartet wurden, war Andreas Goldberg Praktikant im Jugendtreff. Was heute die Prometheus-Lanparty für Gamer ist, hätten die Jugendlichen damals mit Rollenspielen veranstaltet, erinnert sich Andreas. Vier-Tage-Cons, auf denen nur gespielt wurde. Daraus sind die heutigen Langen Nächte hervorgegangen.

Die Fuldaer Brettspieler sind Teil einer stetig wachsenden Szene, die weltweit vernetzt ist. In den vergangenen Jahren ist der Brettspielmarkt förmlich explodiert, denn obwohl Brettspiele ja gerade nicht digital stattfinden, sind die Spieler weltweit online unterwegs. Über 800.000 Titel verzeichnet Boardgamegeek, das „Facebook“ für Spieler. Brettspielblogs und -youtubekanäle boomen. Im Zentrum des Ganzen steht Deutschland, denn hier, genauer gesagt in Essen, findet die weltweit größte Publikumsmesse zum Thema statt. 2016 pilgerten 174.000 Besucher zur SPIEL, 10.000 mehr als im Vorjahr.

Eine wachsende Szene, die vor Ort gar nicht so wirklich greifbar ist. Manchmal sei er überrascht, wenn ganz neue Leute zum Treff kommen und ganze Kisten mit Spielen zum Ausprobieren mitbringen, sagt Andreas Goldberg. Viele Leute spielen für sich privat, zu zweit oder zu viert, sie kommen selten auf Spieletreffen. Doch dass viele Leute spielen, merkt man an den Verkaufszahlen. Das Legespiel „Carcassonne” ging innerhalb der ersten zehn Jahre nach Erscheinen 2001 über sechs Millionen Mal über die Ladentheke und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Dank Crowdfunding haben Spielentwickler mittlerweile eine ganz neue Plattform für ihre Ideen. Über 19.000 Menschen beteiligten sich 2016 am Projekt „Kingdom Death” auf Kickstarter und finanzierten das Spiel mit 12,3 Millionen Dollar.

Trotzdem wird auch zur 52. Auflage der Langen SPIELENacht das Kanzlerparlais wieder voll besetzt sein. Aber Platz für Neugierige ist an den Spieltischen dort immer.

Auf zur „Osthessen-Tour“

Auf geht es durch Osthessen. In „Osthessen-Tour“, dem Spiel aus dem Verlag Parzeller, bereist du mit deiner Figur die Orte der Region und erfährst dabei vieles, was du noch nicht wusstest. Nachdem das Fuldaer Brettspiel vor Weihnachten direkt ausverkauft war, ist es jetzt, pünktlich vor Ostern und der 52. Auflage der Langen SPIELENacht am 22. April wieder erhältlich. Wo? In den Geschäftsstellen der Fuldaer Zeitung.

Spieleberatung

Die Spieleberatung der Stadt Fulda findest du in der Carl-Schurz-Straße 14 (Hintereingang des Gebäudes der Awo-Altenpflegeschule). Hier findest du um die 1500 Spiele, die für nur einen Euro für vier Wochen ausgeliehen werden können. Darüber hinaus gibt es Spielgeräte und Puzzle, die gemietet werden können. Cordula Widmann, Stefanie Gensler und Andreas
Goldberg beraten dich gern.

Die Spieleberatung hat montags und mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr sowie freitags zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet. Du erreichst sie auch unter Tel. (0661) 10 21 941. Auf der Webpräsenz gibt es außerdem Infos zu Spieleabenden in der Region.

Rezensionen, Kommentare und vieles mehr aus der Spielwelt schreiben Mario Groß vom Spieletreff Alsfeld und vier Spieleautoren auf dem noch recht neuen Blog Das Spielsuspensorium.

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.