Die documenta 14 in Athen und Kassel steht in den Startlöchern. Du findest Kunst langweilig und doof? Zwei Künstlerinnen aus der Region zeigen dir, warum Skulpturen & Co. doch ganz cool sind.

Heute geht es los. Die documenta 14 – die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst – startet in Athen. Der zweite Teil in Kassel beginnt am 10. Juni. Kunstliebhaber aus der ganzen Welt werden erwartet – bis zu einer Million. Dabei wird die Ausstellung nicht nur junge Picassos, sondern jeden zum Staunen bringen. Denn Kunst ist spannend. Wieso? Das wissen Anne Härtel-Geise und Annekatrin Lemke.

„So habe ich die Kunst entdeckt“

Schon in der Schule war Kunst Härtel-Geises Lieblingsfach. Durch sie konnte sie sich ausdrücken. Das Basteln in der Kindheit legte den Grundstein für ein Leben als Künstlerin. „Natürlich habe ich auch versucht, meine Kinder zur Kunst zu bringen. “ Mit Erfolg. Ihre jüngste Tochter (22) ist Mediengestalterin, die ältere (32) auf dem Weg zur Kuratorin.

Angefangen hat Härtel-Geise mit der Malerei. Durch eine Freundin hat sie Patchwork – das Zusammensetzen verschiedener Stoffteile – für sich entdeckt. „Das wurde mir aber zu langweilig. Es ist ein bisschen so wie Malen nach Zahlen, denn es gibt gerade einmal 500 verschiedene Muster.“ So kam sie zur Textilkunst. Mit ihr verbindet sie all ihre Leidenschaften und Fähigkeiten.

Auch für Lemke war Kunst schon immer ein Thema. „Mein Opa hat es unterrichtet und das Zeichnen bei mir schon früh gefördert.“ Mit der Zeit wuchs ihr Interesse an der Kunst und auch der Wunsch, kreativ zu arbeiten. Das hat sie geschafft. Meistens hält sie sich im Atelier auf, gibt aber auch regelmäßig Workshops zur Holzbildhauerei, Drucktechniken und Papierarbeiten. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind farbige Reliefs.

Über Anne Härtel-Geise

Die 1960 geborene Künstlerin ist gelernte Krankenschwester. Seit 2007 arbeitet sie als Kauffrau im Gesundheitswesen. Schon über 30 Jahre ist sie im Fuldaer Herz-Jesu-Krankenhaus tätig. Härtel-Geise hat zwei Töchter. In den 80ern hat sie die Textilkunst für sich entdeckt.

„Warum ich als Künstlerin lebe“

„Meine Kunst hilft mir dabei, Ereignisse in meinem Leben zu verarbeiten. Dazu zählt sowohl meine Scheidung als auch der Verlust guter Freunde“, erklärt Härtel-Geise. Manchmal ist sie aber auch nur von Landschaften beeindruckt, die sie darstellen will. Ohne Kunst könne sie nicht leben. „Sie ist essentiell für mich. Mit ihr kompensiere ich alles, womit ich nicht umgehen kann.“

„Damit schaffe ich Kunst“

Härtel-Geise nutzt vorwiegend Naturmaterialien wie Wolle, Seide und Leinen. „Manchmal schmelze ich das Material mit einem Lötkolben oder entfärbe es.“ Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unendlich. Ab und zu klappt aber nicht alles wie gedacht, und das Kunstwerk bleibt unvollendet. Das nennt Härtel-Geise uvo – unvollendetes Werk. „An denen gefällt mir irgendwas nicht, aber ich weiß nicht was.“ Manchmal zerschneidet sie die uvos auch ganz und lässt die Schnipsel in andere Kunstwerke einfließen.

Bei Lemke sieht das ganz anders aus. Sie plant ihre Arbeiten genau und geht jeden Schritt schon vor der Ausführung gedanklich durch. Bei den Holzreliefs setzt sie Lindenholz ein, was sie ganz „traditionell“ mit Schnitzwerkzeugen bearbeitet, um es danach mit Acrylfarbe zu bemalen. „Meine Emaillearbeiten sind aus Metall, auf das die Emaille aufgebracht und in einem Spezialofen bei circa 850 Grad gebrannt wird.“

Über Annekatrin Lemke

Anders als Härtel-Geise ist die 1980 geborene Meiningerin Lemke hauptberuflich Künstlerin. Nach ihrer Gesellenprüfung in Holzbildhauerei studierte sie Holzgestaltung an der Hochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg und doziert an der Meisterschule in Empfertshausen.

Am heutigen Samstag zeigt sie bei Marleen Records in Fulda ihre aktuellen Werke. Darunter sind Holzreliefs, Emaillearbeiten und Collagen. Gute Musik steuert das DJ-Duo „Zirkeltraining“ bei.