Ermittler Gordan Grand entstand als Idee für einen Schreibwettbewerb an der Schule. Doch die Figur, die Maximilian Seese (22) so nebenbei erschaffen hatte, ließ ihn nicht mehr los. Jetzt hat der Bad Hersfelder seinen ersten Kriminalroman um seinen knallharten Ermittler veröffentlicht. Wer ist der Jungautor aus Osthessen?

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich bin in Gerstungen, Thüringen, zur Schule gegangen und wurde in der neunten Klasse von meiner damaligen Deutschlehrerin überredet, bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb mitzumachen. Die Aufgabe war, einen kurzen Kriminalfall aufzuschreiben. Ich habe da nichts gewonnen, aber meine Lehrerin meinte, die Geschichte sei gut und wenn ich Lust hätte, solle ich sie doch mal ausbauen. Das habe ich mit ihrer Hilfe gemacht, und am Ende hatte ich eine Geschichte stehen, aus der ein Buch hätte werden können. Aber die Absicht hatte ich eigentlich nicht.

Und doch ist „Was der Nebel verbirgt“ kurz vor Weihnachten bei Edition M, dem Amazon-Verlag, erschienen. Das schafft nicht jeder auf Anhieb … 

Das war schon ein Stück Weg. Ich habe den Text einigen Bekannten in die Hand gedrückt, die mich dann ermuntert haben, ihn an einen Verlag zu geben. Ich habe erstmal recherchiert, wie man sowas anstellt, habe mich dann bei einer Literaturagentur Leselupe beworben.

Wie läuft eine solche Bewerbung ab?

Du musst Bewerbungsunterlagen ausfüllen, dein Buch beschreiben, ein langes Exposé formulieren, die Charaktere vorstellen und einen Auszug mitschicken. Wenn man das Interesse der Agentur geweckt hat, fordern sie das ganze Manuskript und entscheiden dann, ob sie dich vertreten. Das wollten sie bei mir. Doch bevor sie es an Verlage verschicken konnten, habe ich noch lange mit dem Verlag an dem Manuskript gearbeitet. Im Februar 2016 ging es dann aber richtig los.

Hat sich Edition M sofort bei dir gemeldet?

Es waren drei Verlage, die interessiert waren. Aber im Mai kam dann das Angebot und mein Agent konnte den Vertrag aushandeln.

Wie ging es danach weiter?

Dann starten die Lektoratsdurchgänge mit dem Verlag. Die Charaktere und der Inhalt werden nochmal genau unter die Lupe genommen und überarbeitet, und schließlich wird es formal auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft. Das dauert auch recht lange. Der erste Durchgang dauerte etwa drei Monate.

Und dann war dein Buch fertig und konnte in Druck gehen?

Fast. Dann wurde erstmal gemeinsam mit mir am Titel gearbeitet. Mit dem Arbeitstitel waren weder der Verlag noch ich zufrieden. Und auch mit „Was der Nebel verbirgt“ war ich anfangs nicht glücklich. Aber als dann auch das Cover stand und ich beides zusammen gesehen habe, war ich dann auch vom Titel überzeugt.

„Was der Nebel verbirgt“

Was der Nebel verbirgt, Maximilian Seese, Cover, KriminalromanJeder gute Ermittler hat seine Dämonen. Da ist Gordon Grand keine Ausnahme. Denn seit Jahren beschäftigt ihn ein ungeklärter Mordfall. Laxley Doherty hatte kaltblütig seine Familie abgeschlachtet, nur sein älterer Bruder Francis überlebte das Massaker. Den „Schlächter von Plymouth“ konnte der sonst erfolgreiche Kriminalist nie stellen. Nun soll die Akte endgültig geschlossen, die Mittel für weitere Nachforschungen eingefroren werden. Und plötzlich liegt die Leiche Dohertys schön drapiert neben einem weiteren Toten in der Villa des reichsten Mannes der Stadt.

„Was der Nebel verbirgt“ ist ein starker Debütroman des Bad Herfelders. Gerade am Genre Krimi haben sich schon viele die Zähne ausgebissen, und dank Formaten wie dem „Tatort“ und der BBC-Miniserie „Sherlock“ kommt die Lust an mysteriösen Morden auch nie aus der Mode. Eine hohe Messlatte, hier etwas Frisches zu liefern. Doch genau das schafft Maximilian Seese. Klar ist das Thema nichts Neues, und auch die Auflösung – keine Sorge, hier wird nicht gespoilert – ist keine Revolution des Genres. Aber der Roman um den verbissenen Ermittler fesselt bis zur letzten Seite und versteht es, immer wieder zu überraschen. Hier werden keine Plattitüden gewälzt, weil es sich gut verkauft. Maximilian Seese lässt seine Geschichte entstehen, lässt den Leser gemeinsam mit Gordon Grand grübeln, ermitteln und auch verzweifeln. Oft tanzen über dem Leserkopf große Fragezeichen. An einigen Stellen schmunzelt man über die ausgefuchsten moves des Täters. Manchmal möchte man in die Beamten am Kragen packen und ihnen die eigene Lösung ins Gesicht brüllen, nur um wenig später festzustellen, dass man doch nicht richtig lag. Und genau das gehört zu einem guten Krimi.

416 Seiten, Edition M, 9,90 Euro.

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Dein Roman spielt in Großbritannien. Hast du eine Verbindung zu England?

Nein, eigentlich gar nicht. Aber England ist das Mutterland des modernen Krimis. Arthur Conan Doyle und Agatha Christie haben das Genre geprägt. Und ich habe das Gefühl, dass ich mich mit englischen Namen wesentlich leichter anfreunden kann als mit deutschen. Ich finde es unglaublich schwer, mir deutsche Namen auszudenken, die nach was klingen.

Wirst du weitere Bücher schreiben?

Ja, ich bin sogar schon dabei. Wieder eins mit Gordon Grand in der Hauptrolle, aber es wird nicht an die Geschichte von „Was der Nebel verbirgt“ anschließen. Ob und wo es veröffentlicht wird, hängt aber natürlich vom Erfolg des ersten Buches ab.

Wo und wie schreibst du am liebsten?

Ich kann eigentlich überall schreiben, solange es ruhig ist.

Welches Buch empfiehlst du unseren Lesern für die Weihnachtsferien? Welches ist dein Lieblingsbuch?

Gute Frage. „Die purpurnen Flüsse“ von Jean-Christophe Grangé. Da gibt es ja auch eine sehr bekannte Verfilmung, aber das Buch ist im Längen besser.

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QuelleFoto: Maximilian Seese
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.