Sexismus ist in aller Munde, Opfer sind ja nicht „nur“ Frauen, auch Homo-, Intersexuelle und Trans*Menschen erfahren Diskriminierung wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. Auch das ist Sexismus. Zeit, um sich mal ein paar gute Filme zu Gemüte zu führen, die sich der LGBTQ-Szene widmen und das Thema gesellschaftskritisch beleuchten. 

Philadelphia

Ein Klassiker der Filmgeschichte – vielfach hochgelobt, seiner Zeit von Protesten christlicher Fundamentalisten begleitet: Philadelphia aus dem Jahr 1993. Der erfolgreiche junge Anwalt Andrew Beckett (Tom Hanks) steht kurz vor einer Beförderung, wird dann aber mit einer fadenscheinigen Begründung fristlos entlassen. Andrew ist an AIDS erkrankt und versucht das Unmögliche: gegen seine Entlassung wegen Diskriminierung zu klagen. Denn AIDS ist damals noch als „Schwulen-Krankheit“ verschrien – und so prallen ihm bei seinem Kampf überall Vorbehalte bis offene Ablehnung entgegen. Dass er schwul ist, versucht er weiterhin geheim zu halten. In der Rolle seines Anwalts, der zunächst auch Vorurteile hat: Denzel Washington.

Der oscarprämierte Film basiert auf den persönlichen Schicksalen zweier Anwälte und gilt als der erste, der sich kritisch dem Thema AIDS widmete, um die Stigmas abzubauen.

Sharayet – Eine Liebe in Teheran

Homosexuelle Liebe im Iran steht noch immer unter Strafe. Doch wie überall auf der Welt ist sie Realität. Im Drama Sharayet – eine Koproduktion von den USA, Frankreich und dem Iran – geben sich die beiden Mädchen Atafeh und Shirin ihrem Freiheitsdrang hin. Nach außen gesellschaftlich angepasst, gehen sie im Untergrund auf Technopartys, experimentieren mit Drogen und Sex. Als Atafehs Bruder Mehran nach einem Entzug zurückkehrt und seinen Halt zunehmend im religiösen Fundamentalismus sucht, wird der Freiheitsdrang der Mädchen auf eine harte Probe gestellt.

Pride

Die kultige Komödie Pride aus Großbritannien basiert auf der wahren Geschichte einer Londoner Homobewegung in den 80ern, die für mehr Toleranz und Rechte eintritt. Gleichzeitig sind Minenarbeiter in einem kleinen Dorf von der Privatisierungswelle und damit einhergehenden Zechen-Schließung während der Thatcher-Ära betroffen, die Arbeiter treten in den Streik – und werden von den Schwulen und Lesben unterstützt, denen sie anfänglich mit Vorbehalten entgegentreten. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gewann der Film 2014 den Queer Palm Award. Eine herrlich-herzliche Komödie.

Milk

Harvey Milk war ein amerikanischer Aktivist der Schwulen- und Lesbenbewegung und der erste offen schwule Politiker in den 70ern, der in Kalifornien ein öffentliches Amt innehatte. Super gespielt von Sean Penn, haben Milk und sein Partner Scott die Nase voll vom Leben in New York, ziehen an die Westküste – und Milk wandelt sich vom desinteressierten Hippie zum politischen Menschen. 1977 wird er zum Stadtrat in San Francisco, stößt viele Initiativen an und macht sich damit nicht nur Freunde. In einem tragischen Ende werden Milk und der damalige Bürgermeister San Franciscos George Moscone vom frustrierten, ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen. Nach dem milden Urteil gegen White (sieben Jahre) kam es zu Zusammenstößen zwischen Homosexuellen und der Polizei. Harvey Milk wurde nur 48 Jahre alt.

Prayers for Bobby

Die wahre Geschichte von Bobby Griffith ist eine tragische. Denn die Mutter betrachtet die Homosexualität ihres Sohnes wegen ihrer religiösen Intoleranz als Krankheit. Und Bobby versucht alles, um die Anerkennung seiner Mutter zu erfahren. Doch er kann sich nicht ändern. Die Zurückweisung und der Liebesentzug seiner Mutter treiben ihn schließlich in den Selbstmord. Prayers for Bobby erlangte als US-Fernsehfilm einen Spitzenwert bei den Einschaltquoten und erhielt gute Kritiken. Bemerkenswert ist die wahre Geschichte der Mutter, die sich leider erst nach dem Suizid ihres Sohnes umkehrte und Eltern von nun an half, die Homosexualität ihrer Kinder zu verstehen.

Transamerica

Im originellen Independentfilm Transamerica steht Bree, als Stanley geboren, vor seiner letzten Operation, die ihn endgültig in eine Trans*Frau verwandeln soll. Doch ein Anruf ihres angeblichen Sohnes kommt ihr dazwischen, dieser sitzt in New York im Gefängnis und braucht seine Hilfe. Bree holt ihn gegen die Kaution raus, gibt sich ihrem Sohn aber nicht als Vater zu erkennen – der dann nach Los Angels losziehen möchte, um seinen Vater zu suchen. Die beiden starten einen urkomischen, aber auch berührenden Trip, in dem ein reflektierter Blick auf die moderne amerikanische Familie geworfen wird.

 Freier Fall

Im deutschen Drama Freier Fall erwartet Marc mit seiner Freundin Bettina ein Kind. Doch auf einer Fortbildung der Bereitschaftspolizei lernt er Kay kennen, der klare Andeutungen macht. Marc ignoriert zunächst seinen inneren Trieb, die Begierde nach dem Neuen. Kay lässt sich in seine Hundertschaft versetzen, und Marc gibt sich dem Rausch der neuen Sexualität hin. Für ihn beginnt eine Phase des Hin- und Hergerissenseins. Natürlich kommt die Affäre ans Licht, und natürlich sehen sie sich auch noch im 21. Jahrhundert Intoleranz sowohl im Kollegium als auch Elternhaus ausgesetzt. Doch wie wird sich Marcs Leben jetzt entwickeln? Der Film erhielt auch international, vor allem für die schauspielerische Leistung, gute Kritiken.

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Die Autoren:

Daniel Beise

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