Mit ihrer Acoustic-Tour machte die Pagan-Folk-Band Faun am Wochenende Halt in der Fuldaer Orangerie und verzauberte ihr Publikum.

Ein Konzert von Faun, das verspricht schnelle keltische Sounds, nordische Klänge, mittelalterliche Folksongs und tanzen, tanzen, tanzen. So erlebten es die Fuldaer vor vier Jahren im Schlosshof.

Mit ihrer Acoustic-Tour, mit der die Band am Wochenende in der Orangerie zu Gast war, zeigten sich Oliver s. Tyr Pade, Fiona Frewet, Rüdiger Maul, Stephan Groth und Laura Fella von einer ruhigeren Seite. „Das hat eine ganz eigene Wärme“, sagte Oliver Pade im Vorfeld im move36-Interview. Und er hatte nicht zu viel versprochen. Denn das Publikum ließ sich am Samstag mit einem Set aus Balladen und langsamen Stücken verzaubern.

„Wer war denn noch nie bei einem Faun-Konzert?“, fragte Oliver Pade zu Beginn des Abends. Dass fast alle Hände im Raum nach oben schnellten, hat selbst den erfahrenen Front-Man etwas verdutzt. „Wir spielen seit gefühlt 1200 Jahren!“

Doch davon ließen sich Faun natürlich nicht einschüchtern und würzten ihre Songs mit kleine Episoden und Erzählungen, wo die Themen herstammen und welche Geschichten beschrieben werden. So greifen die Musiker unter anderem auf alte Schriften wie der isländischen „Edda“ zurück und erwecken die Verse in eigenen Interpretationen neu zum Leben – musikalischer Geschichtsunterricht, der richtig Spaß macht. Und das nicht nur, weil Faun ihre Songs auf historischen Instrumenten wie der schwedischen Schlüßelfiedel, der bandintern gern als „Kaffeemühle“ verlachten Drehleiher, Sackpfeifen und vielen mehr spielen.

Wusstest du beispielsweise, was eine norwegische Halling ist? „Das ist ein Volkstanz, bei dem die nordischen Weibchen einen Hut mit einer Stange in die Höhe halten“, erklärte Stephan Groth. Wollte ein Mann eine Dame für sich gewinnen, musste er mit geübtem Sprung den Hut von dem Stock treten. „Liebe Damen, wenn eine von euch einen Hut auf hat und ein orgastisch springendes Männchen bewegt sich auf euch zu: Es könnte ein verliebter Norweger sein“, fügte Oliver Pade lachend hinzu. Natürlich wurde sofort eine Halling gespielt.

Manche der Texte und Themen erscheinen sehr bekannt. Wenn die Band beispielsweise in „Herr Heinrich“ die Geschichte eines Ritters erzählt, der des nachts von einem Trollweib heimgesucht wird, das sich am Morgen in eine wunderschöne Dame verwandelt, taucht das Bild von Disneys Oger Shrek und seiner Prinzessin Fiona vor dem inneren Auge auf. Auch Sigurd aus dem von den Färöer-Inseln stammenden „Sigurdlied“ finden wir in Siegfried aus der Nibelungensaga wieder. Mit „Ynis Avalach“ ging es in die Bretagne. „Man kann sie fast vor sich sehen, im Wald sitzend, wie sie ein Wildschwein braten, und im Hintergrund baumelt ein Barde im Baum“, sagte Oliver Pade und erntete Gelächter.

Gerade diese kleinen Episoden sind es, die das Konzert ausmachten und die sogar noch etwas ausgereizt werden könnten, wenn die Band auch mehr über die Ursprünge ihrer Instrumente erzählen würde. Die allein sind nämlich schon ein Hingucker. Ein ist allerdings sicher: Dem Applaus nach zu urteilen, der die Musiker wieder und wieder zur Zugabe forderte, war so mancher Gast an diesem Abend vielleicht zum ersten, aber nicht zum letzten Mal auf einem Faun-Konzert.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFotos: Mariana Friedrich
Teilen

Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.