Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets auf den Markt – neuer Kram, den wir unbedingt haben müssen. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß raus und geben unseren Senf dazu. Heute: Die Band Atmosonic aus Marbug mit ihrem neuen Album „Anger Management“.

Ein Text von Sophia Reddig

29 Minuten. So lange braucht manch einer zur Uni, unter der Dusche, für eine Putzsession. Und genau 29 Minuten dauert es, sich „Anger Management“ anzuhören.

Der erste Song „Hate“ führt den Hörer mit seiner ruhigen, reduzierten Art erst ein wenig in die Irre, gibt dem Album aber ein sanftes Vorspiel, bevor „Watch Out For The Years“ reinkickt. Sofort sieht man die vier Marburger durch den Proberaum wirbeln. Alte, Sofas, die nach Zigarettenrauch riechen, Bierflaschen, Chucks. Keine großen Effekte, keine Elektroelemente, einfach handgemachte Musik, die live genauso gut funktioniert wie auf der CD.

Die acht Lieder spielen mit Elementen aus Punk, Rap, Nu Metal und klassischem Rock. Besonders hervor sticht der Bass, der nicht dazu verdammt ist, im Hintergrund einfach seine Grundtöne zu spielen, sondern sich in fast schon groovigen Lines so richtig austoben darf.

„Anger Management“ ist eine CD für alle, die energiegeladen mit dem Putzlappen durch die Wohnung rasen wollen. Oder morgens im Bus einfach nur grimmig mit dem Kopf nicken wollen.

Und weil wir die Platte mögen, haben wir die Jungs auch gleich zum Interview gebeten.

Machen sie Punkmusik? Oder eher Hiphop? Oder was ganz Anderes? Atmosonic ist eine Band, die sich nicht entscheiden will. Das merkt man auch im Interview mit Gitarrist Carsten Eckardt (37) und Sänger Janosch Briel (35). Wir haben mit den Marburgern über Wut geredet – und wie man sie wieder loswird.

Das Gespräch führte Sophia Reddig

Was hat euch dazu inspiriert, Musik zu machen?
Carsten: „Das Bafög-Amt! Ich habe am Anfang meines Studiums ewig auf Geld gewartet, und als es endlich da war, habe ich mir eine Gitarre gekauft.“

Und wie habt ihr als Band zueinander gefunden?
Janosch: „Da gab es so ein Angebot der freiwilligen Suchtberatung, und irgendwann haben wir unser eigenes Ding gemacht.“
Carsten: „Ich habe in Marburg eine neue Band gesucht und habe Frank angequatscht. Der hat dann Janosch gefragt …“
Janosch: „… ser übelst Bock hatte!“
Carsten: „… und dann mussten wir ein paar Jahre warten, bis Marty endlich geboren wurde. Und dann konnte es losgehen!“

Bei einem Altersunterschied von 24 Jahren könnte Frank mit seinen 47 Jahren theoretisch Martys Papa sein. Wer hat bei euch das Sagen?
Carsten: „Wir sind alle gleichberechtigt. Wenn nicht alle hinter einer Idee stehen, verwerfen wir sie. Frank mit seiner großen Banderfahrung ist beispielsweise ein Schlagzeuger, der auch mal mit einer Idee für den Gesang kommt – aber umgekehrt bringt sich beim Songwriting jeder andere genauso ein.“

Wie sind die Songs für eure neue CD „Anger Management“ entstanden?
Janosch: „Also wir haben unser erstes Album ,Autonoumes’ Anfang 2016 herausgebracht, und weil das niemanden zum Spielen hatte, haben wir noch ein zweites hinterhergebumst.“ (lacht)
Carsten: „Quatsch! Wir hatten einige Songs geschrieben und dann ein paar Studiotermine gemacht. Es ist aber nur bei dem ersten Termin geblieben, weil wir noch so viel anderen Kram zu tun hatten.“

Daher ist das Album auch „nur“ 28 Minuten kurz?
Carsten: „Unser letztes Album war eine Stunde lang. Also ich habe meist keine Lust, eine einzige Band eine Stunde lang zu hören. Wir finden, eine halbe Stunde reicht da vollkommen.“

Der Titel des Albums ist „Anger Management“. Auf wen seid ihr wütend?
Janosch: „Auf die Welt in ihrer jetzigen Form. Ich habe ein Kind, dem will ich nicht in 30 Jahren erklären müssten, warum wir alles vor die Wand gefahren haben.“
Carsten: „Heute hat mich mein Kater um 4 Uhr nachts geweckt. Das war echt nicht okay. Da war ich wütend.“
Janosch: „Ha! Da schließt sich der Kreis. Ich hatte meist einen Kater, als ich die Songs geschrieben habe …“

Zurück zur Wut! Wie baut ihr die ab?
Janosch: „Sport, Musik oder *räusper* andere Wege.“
Carsten: „Oder um bei Katzen zu bleiben: Wer wütend ist, braucht einen Kratzbaum. Und unser Kratzbaum ist die Musik.“

Und wer soll diesen Kratzbaum kaufen?
Carsten: „Menschen, die ihrer Familie zu Weihnachten mal ein wirklich ein geiles Geschenk machen wollen.“
Janosch: „Alle verdammt!“

Infokasten:

Weitere Infos, Konzerttermine und die CD bekommst du auf der Homepage und der Facebookseite der Band.

Auf unserem Marburger Portal gibt es außerdem ein Portrait der Band.

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