In eine Blockflöte musste in der Grundschule jeder schonmal mehr oder weniger motiviert reinblasen. Ausgerechnet dieses löchrige Stückchen Holz bringt jetzt Kulturen zusammen. Eine junge Iranerin hat sich dem Image des traditionellen Holzblasinstruments angenommen und fördert durch das Promoten der Blockflöten-Kunst die kulturelle Beziehung zwischen iranischen und europäischen und vor allem deutschen Künstlern.

Marve Bazargani, 34 Jahre alt, aus dem Iran und Gründerin ihres Vermittlungsunternehmens „Bazaargain“. Du kennst sie bereits aus der Rubrik „Liebe rund um den Globus“ in unserem Magazin. Sie lebt seit fünf Jahren in Fulda und legt deshalb besonders großen Wert darauf, regionale Firmen zu vermitteln, um unser Städtchen ein bisschen internationaler zu machen.

„Über die Blockflöten bin ich zufällig gestolpert“, sagt Marve. Durch Zufall hätte sie von dem seit 200 Jahren bestehenden Familienunternehmen Mollenhauer und deren Blockflöten erfahren. Sie selbst hat kein Instrument gelernt, aber sofort kam in ihr die Frage auf, wie es eigentlich mit Blockflöten im Iran ausschaut?

Nach ersten Gesprächen mit Händlern, Lehrern, Künstlern und Institutionen habe sie gemerkt, dass im Iran fast ausschließlich auf billigen Plastikinstrumenten gespielt würde. „Mir wurde von Anfang an gesagt: Der Verkauf von hochwertigen Blockflöten sei sinnlos. Und da habe ich mir gedacht: Jetzt erst recht.“

Eine iranisch-deutsche Musikgruppe

Beim Versuch, das umzusetzen, sind ihr die kleinen aber feinen Unterschiede beider Kulturen aufgefallen. Vor allem, wenn es ums Geschäft geht. Deutsche kommen im feinen Anzug zu einem Geschäftstermin, Iraner wie wenn sie zu einer Hochzeit gehen. Der Hauptunterschied sei jedoch, dass der Deutsche klare Anweisungen gibt und man beim Iraner zwischen den Zeilen lesen muss. Außerdem würden im Iran Meetings gerne mit Scherzen begonnen, während es hier eher trocken zugehe.

Wie in Deutschland wird die Flöte dort sehr oft als Einsteiger-Instrument verwendet. Anders als hier würden jedoch Kinder und Schüler mit Freude spielen, und vor allem freiwillig. „Viele meiner deutschen Freunde haben mir verraten, dass sie das Instrument in der Kindheit als Stock benutzt hätten, um anderen Kindern damit auf den Kopf zu hauen.“

„Mein Ziel ist es, durch das Instrument, den kulturellen Austausch der beiden Länder zu fördern.“ Gelingen solle das mit Hilfe von europäischen Lehrern, die im Iran Meisterkurse veranstalten, Iranern die an Workshops in Deutschland – auch Fulda – teilnehmen und Musikern, die mit verschiedenen Instituten in Kontakt treten. Geplant sei sogar eine iranisch/europäische Musikgruppe, die gemeinsam auftritt. Darum kümmern sich sowohl die Firma Mollenhauer, als auch vier der besten Blockflötenlehrer im Iran und ein Institut vor Ort.

Der erste Schritt ist getan. Am 15. November wurden ihr Showroom für Fuldaer Flöten im Iran eröffnet. Unter den Gästen waren Vertreter der Kulturabteilungen der deutschen und österreichischen Botschaften und des österreichisch-iranischen Orchesters sowie zahlreiche Künstler. „Durch diese Zusammenarbeit haben wir es geschafft, dass einige Künstler Fulda als eine der Hauptstädte für Blockflöten kennen.“

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