Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets – generell neuer Kram auf den Markt, den wir unbedingt haben müssen. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß raus und geben unseren Senf dazu. Heute nehmen wir uns das neue Netflix-Anime Castlevania und „Project FairPlay“, ein Album zum fairen Umgang mit Kunst, vor.


So gelungen ist Netflix‘ erster Anime

Von Toni Spangenberg

Hammer-News für Animefans. Netflix bringt mit Castlevania seinen ersten eigenproduzierten Anime an den Start. Doch die Community ist kritisch. Was taugt die US-Serie?

Pünktlich zum vergangenen Wochenende am 7. Juli stand Castlevania zum Streaming bereit. Mit nur vier Episoden ist der Serienspaß allerdings schnell zu Ende. Fans können sich aber freuen. Kurz nach dem Start kündigte Netflix eine doppelt so lange zweite Staffel an.

Castlevania basiert auf dem gleichnamigen Videospiel von Konami aus dem Jahr 1984. Draculas Frau wird als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein fataler Fehler seitens der Kirche. Ihr qualvoller Tod wirft den Vampirfürsten völlig aus der Bahn. Er will Rache. Ein Jahr gibt er den Menschen, um die Walachei zu verlassen. Danach, so droht er, lässt er seine Armee der Finsternis auf sie los. Es kommt, wie es kommen muss. Die Menschheit ignoriert die Drohung, und das Abschlachten beginnt. Nur Vampirjäger Trevor Belmont stellt sich Dracula tapfer entgegen.

Castlevania kann in Sachen Brutalität und Blut ohne Probleme mit Splattern wie Elfenlied mithalten. Zerfallende Skelette auf dem Scheiterhaufen, Monster, die Menschen zerfetzen, abgetrennte Körperteile und Gedärme. Das ist nichts für Zartbesaitete. Es geht aber nicht nur um krasse Gewaltexzesse. Im Kern kritisiert der Anime blinden Glauben und dessen Auswirkungen. Gleichzeitig wird auch immer wieder thematisiert, dass Draculas Rache auch Unschuldige trifft.

Leider wirkt das Storytelling in Castlevania etwas platt. Das überrascht allerdings nicht. Immerhin basiert der Anime auf einem über 30 Jahre alten Videospiel und nicht wie die meisten Genrevertreter auf einem tiefgründigen Manga. Das merkt man auch beim Animationsstil. Die Charaktere erinnern nur wenig an typische japanische Anime. Trotzdem hat Castlevania einen riesigen Unterhaltungswert. Durch die geringe Episodenanzahl bleibt die Spannung konstant auf hohem Niveau. Alles geht Schlag auf Schlag. Allein Folge 1 platzt geradezu vor Inhalt. Kein Vergleich zu in die Länge gezogenen Episoden ala One Piece und Dragon Ball Z oder Fillerexzessen wie in Naruto.

Da kann man nur hoffen, dass Castlevania nicht der einzige US-Anime von Netflix bleibt. Bitte mehr davon!


Wie fair gehen wir mit Künstlern um?

Von Mariana Friedrich

Der neue Spiderman kommt in die Kinos. Die lange erwartete vierte Staffel von Sherlock ist nun endlich auch bei Netflix. Und wenn neue Alben auf den Markt kommen, werden sie bei Spotify und Co. sofort tausendfach gestreamt. Ohne Musik, Filme, Bücher, Serien, Kunst wäre unser Leben ganz schön öde. Die Arbeit von Schauspielern, Komponisten, Autoren erreicht uns, bewegt uns, holt uns aus unserem Alltag. Doch am besten soll sie das kostenlos, jederzeit und überall tun.

Ja, auch Kunst darf nicht im letzten Jahrhundert stehenbleiben und findet Wege, sich im digitalen Zeitalter auszubreiten. Doch die Erschaffer dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Immer wieder machen Musiker von sich reden, weil ihre Werke eben nicht bei Streamingdiensten zu finden sind. Und das regt uns auf. Mit dem Konzeptalbum „Project FairPlay“ wollen namhafte deutsche Künstler ein Zeichen für den fairen Umgang mit Kunst setzen. Der Kölner Musiker Lando van Herzog hat dafür Stars und Sternchen wie Yvonne Catterfeld, Die Prinzen, Christoph Maria Herbst, Hella von Sinnen und die Söhne Mannheims gewonnen.

Entstanden ist ein so bisher einmaliges Statement für fairen Umgang mit dem geistigen Eigentum. Denn Musik, Filme, Kunst, Literatur entstehen halt nicht aus der Luft, sie sind harte Arbeit, und ihre Erschaffer müssen davon leben können, wenn wir die Früchte ihrer Arbeit ernten wollen.

„Alles nur geklaut“, sangen die Prinzen schon in den 90ern. Natürlich darf der Song auf diesem Album nicht fehlen. Yvonne Catterfeld steuert „Die Zeit ist reif“ bei, die Söhne Mannheims sind mit „Gesucht und Gefunden“ zu hören. Dazwischen gibt es gesprochene und mit dramatischen Klängen hinterlegte Statements und Textauszüge. Teilweise wirkt das zu gekünzelt, teilweise auch befremdlich, wenn beispielsweise dramatisch beschrieben wird, wie ein Autor für seinen letzten Roman seine Zeit und seine Beziehung aufs Spiel gesetzt hat. Denn den Leser seiner Texte dafür verantwortlich zu machen, dass seine Beziehung in die Brüche geht … naja. Das ist nicht der Punkt, den das Album setzen will.

Insgesamt ist aber ein interessantes Projekt entstanden. Was ich dabei vermisse, ist allerdings eine Aussage. Was wollen die Künstler denn, das wir als Hörer, Leser, Zuschauer anders machen? Illegale Downloads von Musik, Filmen und Co. sind daneben, das ist inzwischen angekommen. Streamingdienste und E-Book-Abos sind die Antwort der Industrie auf den Wunsch, keine CDs und Bücher mehr stapeln, die Lieblingsserien und Filme bequem online schauen zu wollen. Ist das Projekt ein Aufruf an die Musik-, Film- und Literaturindustrie, fair zu bezahlen? Und was heißt faire Bezahlung? Was bekommen Künstler denn, und wie hat sich das verändert? Diese Informationen fehlen dem, der das Album in Händen hält. Was ist aus Sicht der Künstler, die sich hier zusammengetan haben, fair?

All diese Fragen bleiben offen, obwohl im Booklet statt der elf von 35 abgedruckten Lyrics genügend Platz gewesen wäre, ein Statement unterzubringen. Eine Aussage, die der Hörer mitnehmen kann, um sich und seinen Umgang mit Kunst wirklich hinterfragen zu können.

QuelleGrafik: @Ira Cvetnaya/Fotolia
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.