Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets – generell neuer Kram auf den Markt, den wir unbedingt haben müssen. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß raus und geben unseren Senf dazu. Heute haben wir uns das Adventure-Room-Spiel „Unlock vorgenommen und in das neue Album „Null“ des Hanauer Rappers Veto reingehört.


Auf der Flucht vor einem wilden Clown: „Unlock“

Von Marcus Lotz

Rund zwei Jahre ist es her, da boomten in Deutschland die sogenannten Escape Rooms. Das Spielkonzept: Die Teilnehmer werden in einen Raum eingeschlossen und müssen vor Ablauf einer festgelegten Zeitspanne die im Raum verteilten Hinweise finden, um zu entkommen. Sowas gibt es auch in Fulda, die move-Redaktion hat die Schlüsselerlebnisräume hier für dich getestet.

Ein Jahr darauf erreichte der Hype auch die Brettspiel-Szene: Neben „Escape Room – Das Spiel“ von Noris Spiele und der EXIT-Reihe des Kosmos-Verlages machte auch „Unlock!“ von den Space Cowboys von sich reden. In drei Szenarien kämpfen die Spieler dabei gegen die Zeit und – wie unser Test gezeigt hat – gegen den Spielmechanismus selbst.

60:00 Simples Kombinieren führt zum (Miss-)Erfolg

„Unlock!“ ist ein reines Kartenspiel. Sämtliche Hinweise, Aufgaben und Spielmechaniken finden die Spieler auf Karten; zwingend benötigt wird allerdings die offizielle App. Diese ist kostenlos im App- und Google-Play-Store herunterladbar.

Die Regeln von „Unlock!“ sind so einfach, dass man direkt loslegen kann, ohne vorher einen Blick in die acht Seiten umfassende Anleitung geworfen zu haben. Die mitgelieferten Tutorialkarten erklären den Spielmechanismus: Zu Beginn jedes Abenteuers liest ein Spieler laut den Einführungstext vor, danach wird eine Raumkarte aufgedeckt, auf denen die Nummern von weiteren Karten abgebildet sind, die angesehen werden dürfen. Das können Gegenstände sein, die sich miteinander kombinieren lassen, Maschinenkarten, die je nach Konfiguration mit anderen Karten verbindbar sind oder Codekarten, die eine vierstellige Zahlenfolge suchen.

Die Karten in „Unlock!“ sind nummeriert; die Nummern sind sowohl auf der Vorder-, als auch auf der Rückseite der Karte zu sehen. Wollen wir den Schlüssel mit der Nummer 11 mit dem Schrank mit der Nummer 35 kombinieren, müssen wir beide Zahlen addieren und unseren verdeckten Kartenstapel nach der Nummer 46 durchsuchen. Findet sich die gesuchte Ziffer nicht, ist diese Kombination nicht möglich. Gibt es die Karte hingegen und decken wir sie auf, finden wir im Idealfall im nun geöffneten Schrank mit der Nummer 46 weitere Gegenstände, die uns helfen können. Im ungünstigsten Fall hat uns das Szenario in eine Falle gelockt, und die Karte 46 ist eine Strafkarte. Dann müssen wir den Strafknopf der App betätigen und schon haben wir drei Minuten weniger Zeit, um zu entkommen.

Sollten wir an einer Stelle nicht weiterkommen, lassen sich über die Eingabe der Kartennummern Hinweise und manchmal auch die Lösung für die jeweilige Karte anzeigen. Über die App läuft auch die Eingabe der Zahlenkombination für die Codekarten. Am Ende des Abenteuers erhalten die Spieler für die erfolgreiche Flucht eine Wertung. Das heißt, falls sie das Szenario überhaupt geschafft haben – das ist nämlich gar nicht so einfach.

42:23 Wimmelbild-Paranoia

In unserem Test zu viert versagten wir gleich im ersten Szenario. Dabei machte uns keineswegs ein schwieriges Rätsel oder ein schwer zu knackender Code den Garaus. Stattdessen haben wir übersehen, dass sich auf einer der Karten eine Zahl versteckte, die wir für die Lösung des Rätsels zwingend benötigten. Hier zeigten sich gleich zwei Schwächen von „Unlock!“:

Zum einen sind versteckte Zahlen auf den Karten teilweise nur schwer erkennbar. Wir fanden die Hinweise häufig nur, wenn wir uns die Karte direkt vor die Nase hielten – dann war sie natürlich für alle anderen Spieler nicht mehr in der Tischmitte verfügbar. Nach einer gewissen Zeit der akribischen Hinweissuche wurde bei einigen Mitspielern außerdem akute Wimmelbild-Paranoia diagnostiziert: „Seht ihr, wie das Gras eine Fünf bildet? Das ist doch eindeutig eine Fünf!“

Zum anderen kann es – wie in diesem Fall – passieren, dass man an einem toten Ende des Szenarios angelangt. Ohne es zu bemerken, fehlte uns ein Gegenstand, die Hinweise der App halfen uns dabei auch nicht weiter. Game Over.

Mit neuem Mut (und einer nicht im Spiel enthaltenen Lupe bewaffnet) wagten wir uns an Szenario 2: Während wir im Abenteuer zuvor eine Geheimformel gesucht hatten, verschlug es uns nun in die Fänge eines durchgeknallten Clowns. Mithilfe unserer Lupe entdeckten wir dieses Mal die versteckten Hinweise auf den Karten, knackten die durchaus einfallsreichen und logisch aufgebauten Rätsel und konnten entkommen. Dass dabei die für ein Szenario veranschlagten 60 Minuten überschritten wurde, störte keinen – Hauptsache, wir waren diesem irren Clown noch einmal von der Schippe gesprungen.

Szenario 3 verschlug uns auf eine Insel und überraschte mit einer interessanten, neuen Spielmechanik, die an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll. Kurios wurde es aber auch hier: Durch eine Kombination zweier Karten knackten wir ein Rätsel, obwohl wir einen dafür notwendigen Zwischenschritt übersprungen hatten. Reife Leistung. Unsere addierten Kartenwerte hatten nämlich zufällig die Nummer der passenden Lösungskarte ergeben – auch hier schwächelte der Spielmechanismus, dieses Mal aber zu unseren Gunsten.

00:00 Es hätte alles so schön sein können

Idee gut, Umsetzung verbesserungswürdig – diesem Fazit konnten sich alle Tester anschließen. Die Hintergrundgeschichten der Szenarios sind interessant und grundverschieden, die Rätsel machen Spaß, sind intuitiv, abwechslungsreich und witzig gestaltet. Das Spielprinzip ist simpel, stellenweise aber zu wenig durchdacht, denn das bloße Addieren von Kartenwerten kann zu aussichtslosen Situationen oder Zufallstreffern führen. Ein Spiel zu fünft oder sechst ist aufgrund der Kartengröße nicht zu empfehlen.

Im Vergleich zu „Escape Room – Das Spiel“ kann „Unlock!“ der Konkurrenz weder atmosphärisch noch spielmechanisch das Wasser reichen. Wer die Karten peinlich genau nach Hinweisen absucht, kann sich zumindest einigen Frust ersparen und mit den Rätseln seinen Spaß haben. Vom Spielmaterial wird dabei übrigens nichts zerstört, „Unlock!“ kann man also auch super weiterverschenken.


Inhalte, Aussagen und Ansagen – Vetos neuestes Album “ Null“

Von Samira Berger

Ruhige Klavier-Motive, Gitarrenriffs und die kratzige ruhige Stimme des Rappers, dazu eine Brise Melancholie – das ist der Sound, der dir Vetos Album „Null“ liefert.

„Null“, das dritte Album von Veto, ist eine Abrechnung mit alten Weggefährten und mit sich selbst. Producer wie Johnny Illstrument, Johnny Pepp oder claptomanik liefern Beats, die wunderbar miteinander harmonieren und den selbstreflektierten Texten und Geschichten ihren Raum lassen.

Gefangen zwischen Selbstzweifeln und Höhenflügen, Schuldenbergen und der Gewissheit, dass es keine Alternative dazu gibt, geht er straight seinen eigenen Weg. Dabei zeigt er dir, dass es wichtig ist, Aussagen und vor allem Ansagen zu machen.

Alles Erlebte – von Begegnungen mit der Ex bis hin zu durchzechten Wochenenden mit den Besten – wird von Veto so emotional und melancholisch rübergebracht, dass uns keineswegs an deutschen Rap erinnert. Seine ruhige, dennoch kratzige Stimme identifiziert ihn zwar mit der Rapszene, zeigt aber, dass diese Songs nicht nur von Mord, Gewalt und dem Rotlichtmilieu handeln. Vetos Stil, seine Gefühle und Gedanken zu äußern, ohne vulgär zu sein, hat uns einfach in den Bann gezogen.

Eine absolute Empfehlung für diejenigen, die sich zwar mit Rap identifizieren können, aber keine Lust auf pausenloses Aufzählen von Schimpfwörtern haben.

Unser Lieblingslied

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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