Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets – generell neuer Kram auf den Markt, den wir unbedingt haben müssen. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß raus und geben unseren Senf dazu. Heute gibt es zwei Tipps zum Anschauen, die neue Staffel von „Bojack Horseman“ und die Dokumentation „Raving Iran“.


Wer sie noch nicht gesehen hat, hat in den vergangenen Tagen wohl Mattscheibe und Couch gemieden. Oder bist du einfach kein Cartoon-Fan? Bei der Netflix-Serie „BoJack Horseman“ solltest du erwägen, diesem Genre eine Chance zu geben. Am Freitag ging die viertel Staffel online. Und die Serie für Erwachsene bleibt so heiß, wie sie begonnen hat.

Protagonist Bojack ist verschollen, Schauspieler Mr. Peanutbutter kandidiert als Gouverneur für Kalifornien, seine Freundin Diane beginnt, für einen feschen Blog zu schreiben, Agentin Princess Carolyn möchte schwanger werden, und Loser Todd stolpert weiter mit Pech, aber auch Glück, durch die Handlung – so der Beginn der Staffel. Natürlich taucht Bojack wieder auf, nach einer monatelangen Sauf-Eskapade in seinem alten Familienhaus – und ein Mädchen tritt auf den Plan, das seine acht Adoptivväter verlassen hat, die in einer schwulen, polyamorösen Beziehung leben. Sie behauptet, Bojacks Tochter zu sein und möchte über die zahllosen Liebschaften ihres Vaters ihre Mutter finden.

Der Protagonist versucht hier nicht verzweifelt, wie in den vorherigen Staffeln, seine Karriere wiederzubeleben, sondern sich mit seiner Unfähigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen auseinanderzusetzen – nach wie vor mehr schlecht als recht. Das zeigt sich insbesondere, als er von seiner Tochter gedrängt wird, seiner Mutter entgegenzutreten, die ihm selbst als Kind nie Liebe gegeben hat. Daher lohnt es sich allemal, die Serie weiterzuschauen.

Beißender Witz und tragischer Plot

Nicht nur die Tragik des Hauptcharakters erinnert etwas an Hank Moody aus der Serie „Californication“ – auch die herrlich-bissigen und bösen Parodien auf die Medien- und Unterhaltungsindustrie halten allen den Spiegel vor Augen, die damit ordentlich Kohle scheffeln. „Hollywoo“ – wie es hier genannt wird – wird nach allen Regeln der Satire und in feinster Cartoon-Manier durch den Dreck gezogen.

Andere Cartoons wie „South Park“ oder „American Dad“ sind gleichermaßen gesellschaftskritisch, hier reiht sich jedoch oft nur ein Gag an den nächsten. Bojack ist ein Charakter mit Tiefgang, dessen Dasein eher tragisch als witzig ist. Auch die Entwicklung anderer Charaktere wie Diane oder Princess Carolyn bergen eine gewisse Dramatik. So ist Bojack Horseman eine Serie mit einer Kombination aus beißendem Witz und tragischem Plot, die in der vierten Staffel nichts an Niveau einbüßt.


Auch heiß: die Dokumentation „Raving Iran“ 

„Irans Sittenpolizei verhaftet jedes Jahr Hunderte von Menschen im Kampf gegen ’satanistische‘ Partys, ‚frivole‘ Kleidung und ‚obszöne‘ CDs“ – so lautet das erste Zitat in der Dokumentation „Raving Iran“ der deutschen Filmemacherin Susanne Regina Meures, die am Montag auf 3Sat ausgestrahlt wurde. Unter teilweise gefährlichen Bedingungen begleitete sie die beiden DJs Anoosh und Arash, die verzweifelt versuchen, ihre Kunst auszuleben.

„Diese Art von Musik wird nicht geduldet, nur klassisches Klavier und traditionelle Musik sind erlaubt. Elektronische Musik von DJs ist generell verboten“, bekommen sie im „Ministerium für Kultur und islamische Führung“ in Teheran zu hören, als sie ihr DJ-Kollektiv registrieren lassen wollen. Die Szene wurde mit einer versteckten Kamera aufgenommen. Drehgenehmigungen hatte die Filmemacherin Meures durchweg keine, fast alles hat sie mit Handy gefilmt.

Techno gegen Unterdrückung

„Raving Iran“ kommt komplett ohne Sprecher-Stimme aus, auch Meures tritt nicht als Fragende oder Moderatorin auf. Die Gespräche, Bilder und Szenen stehen für sich. So ist eine unaufgeregte, eindrucksvolle Momentaufnahme zweier junger Künstler entstanden, die mit einer Mischung aus Angst, Trotz, aber auch Mut für ihre Subkultur kämpfen. Und sie offenbart auch, dass die meisten Menschen – wie wohl in vielen arabischen Staaten – in ihrer Denke viel moderner sind als ihre archaischen Systeme, die sie unterdrücken. Die CD-Händler lehnen das Album der DJs ab, weil es keine Bewilligung hat, zu westlich ist und sie folglich Probleme mit der Polizei kriegen würden, die ständig vorbeikommt. Aber sie würden die elektronische Musik sofort verkaufen und spielen – könnten sie nur. Ein Musikhändler sagt zu Anoosh und Arash über die iranische Polizei: „Sie lieben es, belogen zu werden.“

Die beiden sehen schließlich, dass sie im Iran keine Zukunft haben. Auf nach Europa, sagen sie sich. Man versteht die beiden in diesem Moment nur zu gut. Wie sollen zwei DJs ohne Geld und Netzwerk allein mit ihrer musikalischen Rebellion die veralteten, unfreien Systeme aufbrechen? Ihnen glückt schließlich eine Bewerbung für ein Techno-Festival in Zürich, und sie bekommen ein Visum. Eine Anwältin, ihre Familien – alle raten ihnen: Wenn ihr einmal da seid, bleibt! Sie bleiben.

Bis Sonntag, 17.9., kannst du den Film in der Mediathek von 3Sat schauen.

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