Foto: Daniel Frevel

Mirja Regensburg ist Stand-up-Komikerin und bedient sich bei ihrem Soloprogramm “Mädelsabend – Jetzt auch für Männer” eines der beliebtesten Comedy-Themen, nämlich dem immerwährenden Geschlechterkampf. Wer aber hohle, sexistische Witze á la Mario Barth erwartet, wird, von der Nordhessin, gehörig überrascht.

Ein Text von Daniel Frevel

Klischeebelastet fängt der Abend an. Die Bühne, im frisch renovierten Kulturkeller, erstrahlt im grellen Pink, an der neuen Foyer-Bar wird ordentlich Prosecco ausgeschenkt, und der Frauenanteil an diesem Abend liegt, grob geschätzt, bei 90 Prozent. “Na herrlich”, denkt sich vermutlich so Mancher, “das kann ja peinlich werden”. Männer, die erzählen, wie schlimm Frauen sind, und Frauen, die sich gackernd über die Herren der Schöpfung auslassen, gibt es auf deutschen Stand-up-Bühnen ja schließlich genug. Männer mögen Fußball, Frauen wollen nur das eine: kochen. Klischees, die in politischen Gefilden längst Aufschrei-Debatten auslösen, sind in der deutschen Humorlandschaft, seltsamer Weise, noch immer gern gesehen. Zwischen anspruchsvollem Kabarett und eben diesen Gender-Humoristen, ist eine große Lücke, die Mirja Regensburg zu füllen vermag.

Zu Beginn hüpft Regensburg auf die Bühne, winkt dem Publikum zu und lässt sich anschließend ausführlich über Armfett aus. “Es ist okay, wenns da ein bisschen schwabbelt, Mädels”, meint Sie. Später rülpst sie und lässt ihre Bronchien immer wieder seltsame Hust-Laute ausstoßen. Das Eis ist gebrochen, das Publkikum hat sie schnell auf ihrer Seite.

Weiter geht’s, mit Gags über Gewichtsprobleme (großes Thema: Weight Watchers) und fußball-fanatische Ehemänner. Auch über Küchengeräte und “Germanys Next Topmodel”, hat sie einige Witze im Programm.

Individuelle Komik

Spätestens jetzt, sollte der aufmerksame Leser (Ja, ich meine dich), hellhörig werden. Ist das nicht genau der Humor, von dem sie sich angeblich abhebt? Nun ja. Regensburg holt ihr Publikum genau dort ab, bei den platten Geschlechterklischees, die man bei dem Programmtitel erwartet. Dann schafft Sie aber etwas Wunderbares: Mit einer Improvisationslust, wie man sie kaum kennt, geht sie offensiv auf ihr Publikum ein und macht, aus dem vorgestanzten Programm eine ganz individuelle Komik.

Schnell hat sie ihre interessanten Persönlichkeiten im Publikum gefunden. Ein Saunaclub aus Braunschweig ist anwesend, eine ehemalige Tanzgruppe und ein Autohändler, den Regensburg kurzerhand zum unfreiwilligen Side-Kick macht. Mit deren Geschichten und Anekdoten strickt sie einen wirklich lustigen Abend, bei dem sich das Publikum fast in Extase lacht.

Was vorher wie ein Klischee klang, hat plötzlich Gesichter und eine Persönlichkeit. Regensburger erzählt keine sexistischen Witze, sie deckt tatsächliche Unterschiede der Geschlechter anhand ihres Publikums auf, was wirklich entwaffnend ist.

Hinzu kommt, dass die gebürtige Hümmerin eine Musicalausbildung hinter sich hat und dementsprechend auch gut singen kann. Immer wieder, lässt sie ihr “Andrew Lloyd Webber Tourette Syndrom” hervorblitzen und trällert Musicalhits mit ihren eigenen Texten. Auch an dieser Stelle scheut sie sich nicht vor Improvisation und dichtet mal eben – live – einen eigenen Text.

Ein Gedicht über Fulda

In der Pause schreibt sie dann ein Gedicht über Fulda, mit Informationen, die sie ebenfalls aus dem Publikum hat. Der schönste Ort in Fulda (laut Publikum das Modehaus Schneider) kommt dabei genauso vor, wie das Lieblingsgericht der anwesenden Fuldaer, Flurgönder, also warmer Schwartenmagen.

Am Ende des Abends trällert sie noch ein Lied, in dem sie sämtliche Charaktere nochmal einbindet und bekommt anschließend, absolut verdient, Standing Ovations.

Schlauer ist an diesem Abend niemand geworden. Das ist aber auch nicht Regensburgs Anspruch. Sie will, dass ihr Publikum Spaß hat und schafft dies mit Witz und Charme, ganz ohne ätzende Klischees. Dieser Mädelsabend macht definitiv Spaß, auch für Männer.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFoto: Daniel Frevel
Teilen
Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.