Sie ist nicht mehr nur reine Ausbildungsschule, seit dieser Woche darf sich die Ferdinand-Braun-Schule in Fulda Bundesleistungszentrum der WorldSkills Germany für den Malerberuf nennen. Und im Oktober entsenden die Fuldaer gleich drei junge Handwerksprofis zu den 44. WorldSkills Weltmeisterschaften für Handwerksberufe in Abu Dhabi.

„Ich bin von dieser Schule sehr beeindruckt“, lobt Jens Frieß. Das Vorstandsmitglied der WorldSkills Germany war in dieser Woche zum ersten Mal nach Fulda gereist, nicht nur um die Stadt kennenzulernen, sondern um sich vor Ort von der Ausbildung an der Ferdinand-Braun-Schule zu überzeugen. Was er vorfand, erklärt er begeistert, sei eine Kaderschmiede, bei der die Schüler nicht nur das Handwerk beigebracht bekommen, sondern wo auch der soziale Umgang mit den Kollegen und mit den Kunden eine große Rolle spielt. Für die herausragende Ausbildung hier in Fulda ernannte WorldSkills die FBS nun zum Bundesleistungszentrum für den Beruf Maler.

Ferdinand-Braun-Schule, WorldSkills
Thomas Remmert, Schulleiter der Ferdinand-Braun-Schule

Die Ferdinand-Braun-Schule ist das sechste Bundesleistungszentrum in Deutschland, das zweite in Hessen. Mehr als 20.000 Auszubildende in den Bereichen Maler, Lackierer und Fahrzeuglackierer werden deutschlandweit jährlich abgeschlossen. Die globale Organisation WorldSkills organisiert internationale Wettbewerbe, bei denen sich junge Handwerker weltweit messen. „Zentrale Aufgabe unserer Schule ist es, junge Menschen mit Kompetenzen auszustatten“, sagt Schulleiter Thomas Remmert. „Technik ist nichts ohne den Menschen, der sie bedient.“ Deshalb lege die Ferdinand-Braun-Schule großen Wert darauf, dass Schüler die Möglichkeit erhalten, bei internationalen Wettbewerben andere Kulturen, andere Aspekte ihres Berufs und Kollegen weltweit kennenzulernen. „Der Blick über den Tellerrand ist ganz entscheidend, sich auch mit anderen vergleichen zu können. Durch solche Teilnahmen wird auch das deutsche Handwerk aufgewertet, und vielleicht wird mehr jungen Leuten klar, dass das Handwerk wieder goldenen Boden hat und die duale Ausbildung eine gute Alternative zum Studium darstellt.“ Denn obwohl die FBS als größte Berufsschule Hessens 3000 Schülern und Studierenden den Start ins Handwerk ermöglicht, sei die Zahl gerade bei den Malern und Lackierern nach wie vor zu niedrig.

Ferdinand-Braun-Schule, WorldSkills
Die Urkunde für die Ferdinand-Braun-Schule

Umso stolzer ist die Schule, in diesem Jahr drei Teilnehmer zu den WorldSkills-Meisterschaften nach Abu Dhabi entsenden zu können. Einer davon ist Patrick Röder aus Künzell. Der 20-Jährige startet nämlich für das Maler- und Lackiererhandwerk. 42 Handwerker werden im Team Germany ihre Gewerke präsentieren. „Patrick ist sogar Jahrgangsbester hier, und unabhängig von der guten Ausbildung durch die Lehrer gehört dazu eine gute strukturierte Arbeit“, betont Jens Frieß. „Dass eine Medaille das Ziel ist, ist klar, sonst würden wir ja nicht antreten“, sagt der Koordinator für Farbtechnik an der FBS, Gregor Botzet. „Patrick hat das Zeug dazu, eine Medaille zu holen.“

Ferdinand-Braun-Schule, WorldSkills
Wilhelm Schalles, Bildungsausschussvorsitzender Landesinnungsverband

In den kommenden Monaten steht deshalb Training auf dem Lehrplan, aber auch die psychologische Vorbereitung und Sprachkompetenz. Denn der Wettbewerb laufe natürlich auf Englisch ab, die Fachbegriffe müssen also auch in der Fremdsprache sitzen. „Und Sie müssen sich vorstellen, an den Wettkampftagen laufen 15- bis 20.000 Leute durch die Hallen, es gibt 1780 Teilnehmer aus 77 Berufen. Das ist eine Extremsituation, die einen ganz schön nervös machen kann“, erklärt Gregor Botzet. Patrick ist der erste Teilnehmer, den der Fachbereich entsenden kann. Aber, und das wirft der Bildungsausschussvorsitzende des Landesinnungsverbandes Wilhelm Schalles ein, egal ob die deutschen nun Medaillen holen oder nicht, „jeder junge Mensch, der die Gelegenheit bekommt, sich im Ausland mit anderen Vertretern seines Handwerks auszutauschen, bekommt ein Kapital für den Beruf, dass ihm keiner mehr nehmen kann.“

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.