Immer weniger Studis kriegen Bafög. Innerhalb von vier Jahren ist die Zahl der geförderten Studenten und Schüler um 16,7 Prozent gesunken – das steht im 21. Bafög-Bericht der Regierung. Warum sich Bafög für dich trotzdem lohnt.
Ein Text von Philipp Stepputis

Eine Möglichkeit, als Student den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist die Studienfinanzierung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög. Nicht jeder findet die Zeit, neben den Vorlesungen und Seminaren zu jobben oder hat reiche Eltern. Der Staat greift jungen Leuten deshalb schon seit 1971 unter die Arme, wenn die Eltern ein Studium oder eine weiterführende Schulausbildung nicht finanzieren können. Bafög ist eine Sozialleistung wie etwa Wohn- und Kindergeld.

Du kriegst maximal 735 Euro

Derzeit liegt der Bafög-Höchstsatz bei 735 Euro monatlich. Er setzt sich zusammen aus 399 Euro für die Dinge des täglichen Lebens (Grundbedarf) und 250 Euro für die Unterkunft. Im Maximalbetrag enthalten sind auch Zuschüsse für die Kranken- und Pflegeversicherung für Über-25-Jährige, die sich selbst versichern müssen. Wie viel der Einzelne bekommt, hängt vom eigenen Einkommen und Vermögen und vom Einkommen der Eltern und gegebenenfalls des Ehepartners ab. Dabei wird nicht deren aktuelles Einkommen, sondern das aus dem vorletzten Jahr herangezogen. Falls sich das Einkommen der Eltern – etwa durch Renteneintritt, Jobwechsel oder Arbeitslosigkeit – in der Zwischenzeit stark verändert hat, gibt es die Möglichkeit die Angaben zu aktualisieren. Beim Einkommen und Vermögen gelten bestimmte Freibeträge, die nicht angerechnet werden. Dein 450-Euro-Job wird beispielsweise nicht angerechnet. Der Freibetrag bei deinem Vermögen liegt bei 7500 Euro. Der durchschnittliche Bafög-Satz, den du als Student monatlich bekommst, liegt dem Studentenwerk Gießen zufolge bei 435 Euro.

Cottbus ist Deutschlands günstigste Stadt für Studenten

Kann das zum Leben reichen? Nur 250 Euro sind für die Miete eingeplant. Eine Studie des Moses Mendelssohn Instituts von 2017 hat ausgerechnet, dass in den 93 Hochschulstädten in Deutschland mit mehr als 5000 Studenten ein WG-Zimmer in einem geförderten Studentenwohnheim monatlich durchschnittlich 353 Euro Miete kostet. Und dabei handelt es sich schon um die eigentlich günstigste Wohnform – Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt können in der Regel deutlich teurer sein. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Städten groß: Während man in München durchschnittlich 570 Euro und in Frankfurt 450 Euro Miete bezahlen muss, wohnt man in Cottbus deutlich günstiger: 208 Euro zahlt man dort durchschnittlich für ein WG-Zimmer (günstigste Stadt für Studenten). Insgesamt gibt es laut Studie nur fünf Hochschulstädte, in denen die durchschnittlichen Mieten unter 250 Euro liegen. Sie liegen allesamt in den neuen Bundesländern.

Deshalb lautet das Fazit von Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts: Die 250-Euro-Wohnpauschale „spiegelt die Situation gerade in nachgefragten Hochschulstädten in keiner Weise wider.“ Auch in kleineren Hochschulstädten wie Kassel und Fulda habe sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft. „Selbstverständlich sind an solchen Standorten die Bedingungen objektiv immer noch besser als in großen Metropolen“, meint Brauckmann. Dennoch würden Studenten etwa in Fulda, die lange Jahre gar keine oder nur geringe Probleme gehabt hätten, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, jetzt ganz andere Erfahrungen bei der Wohnungssuche machen. „Besonders schwierig ist die Situation (…) für Studierende, die in der bisher fremden Hochschulstadt noch gar nicht vernetzt sind und nur wenig Zeit zwischen Studienplatzzusage und Semesterbeginn haben.“

So viel Kohle schenkt dir der Staat

Als Student bekommst du für dein Erststudium 50 Prozent der Bafög-Summe vom Staat geschenkt. Diesen Zuschuss musst du nach Studienende nicht zurückzahlen. Die anderen 50 Prozent sind ein zinsloses Darlehen, das zurückgezahlt werden muss. Der Rückzahlungsbetrag ist allerdings auf 10 000 Euro gedeckelt. Selbst wenn du während deines Studiums mehrere Zehntausend Euro Bafög-Förderung bekommst, musst du später maximal 10 000 Euro zurückzahlen. Das Darlehen kann in Raten oder in einem Schritt zurückgezahlt werden. Eine Einmalzahlung kann je nach Größe des Darlehens günstiger sein. Der Staat gibt Einmalzahlern nämlich satte Rabatte. Die erste Ratenzahlung wird fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit fällig. Die Rate beträgt monatlich 105 Euro. Wer die Summe, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder eines niedrigen Gehalts, nicht aufbringen kann, zahlt kleinere Raten ab oder wird vorübergehend sogar freigestellt. Die Rückzahlung des Darlehens soll innerhalb von 20 Jahren erfolgen.

Warum mehr Studenten Bafög beantragen sollten

Viele Studenten bekommen bei diesen hohen Summen und zahlreichen Regeln Angst: Noch kein eigenes Gehalt – und schon verschulden? Lohnt sich das Bafög wirklich? Ja, sagt einer, der es wissen muss: Du solltest dir diese Möglichkeit der Finanzierung nicht entgehen lassen, meint Ralf Stobbe, der Geschäftsführer des Studentenwerks Gießen. Er ist neben seiner Arbeit in Gießen auch für die studentischen Belange an der Hochschule Fulda zuständig. Ihn erstaune, dass nur noch 18 Prozent aller Studenten Bafög beantragten. Viele Studenten begründeten das damit, keine Schulden machen zu wollen. Dennoch meint er: „Ich kann die Studierenden nur ermuntern, sich eingehend durch unsere Abteilung Studienfinanzierung beraten zu lassen“. Denn der Erlass von 50 Prozent der Summe ist ein gutes Argument für das Bafög, das zinsfreie Darlehen ein weiteres.

Wer einen Kredit bei einer Privatbank aufnimmt, muss im Gegensatz zum Bafög zusätzlich zur Kreditsumme auch noch Zinsen zahlen. Und wenn das Bafög nicht ausreicht? Abseits der staatlichen Förderung und Unterstützung durch Eltern oder Großeltern bessern sich viele Studenten ihr Einkommen mit einem Nebenjob auf. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Studentenwerks von 2016 an den Hochschulen. Demnach ist der Anteil an Studenten, die arbeiten, mit deutschlandweit 69 Prozent so hoch wie noch nie. Die Quoten sind in teuren Städten wie Köln (79 Prozent), Frankfurt (78) und Hamburg (77) besonders hoch. Fulda (66 Prozent), Kassel (64) und Marburg (63) liegen im Mittelfeld. Für viele Studenten ist das Bafög also eine wichtige, aber nicht die alleinige Stütze, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. „Nehmt beim Bafög, was ihr kriegen könnt!“, rät Stobbe allen, die vor einem Studium stehen.

So beantragst du Bafög

Den Antrag auf Ausbildungsförderung können eingeschriebene Studenten mit entsprechenden Formblättern stellen. Diese sind etwa auf der Homepage und im Fuldaer Servicebüro des Studentenwerks erhältlich. Anschließend müssen die ausgefüllten Formulare an das Amt für Ausbildungsförderung des Studentenwerks der jeweiligen Hochschule gesendet oder dort persönlich vorbeigebracht werden. Ein elektronischer Antrag ist ebenfalls möglich. Ein Antrag sollte möglichst früh nach Immatrikulation gestellt werden, denn die Bearbeitung und damit die erste Überweisung können einige Wochen dauern. Der Antrag sollte spätestens im Monat des Studienbeginns gestellt werden. Nachrücker und Leute, die noch nicht alle Unterlagen zusammen haben, können den Antrag zur Not zunächst auch formlos stellen und die Unterlagen später nachreichen. Denn es gilt: Das Bafög wird nicht rückwirkend für Monate vor Antragstellung gezahlt.

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QuelleFoto: Pixabay
Die Autoren:

Toni Spangenberg

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move36-Redakteur mit einem Faible für die Anime- und Mangaszene. Er nimmt Themen rund um Karriere und Politik in den Blick.