„Ich habe viele Bewerbungen geschickt“ – Munir Amini aus Afghanistan wird Hotelfachmann

Serie: So geht es für die Intea-Schüler der RiMS weiter

Wie geht Integration? Diese Frage stellen wir uns seit 2015 die erste Flüchtlingswelle in Deutschland ankam und Städte und Kommunen vor große Herausforderungen stellte. Auch die Schulen, denn sie mussten plötzlich mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die Schreckliches erlebt haben, gar nicht oder kaum die deutsche Sprache verstanden, geschweige denn sprechen konnten, aber dringend einen geregelten Schulalltag und Freunde brauchten, um zu verarbeiten, um anzukommen. Wir stellen dir junge Menschen von der Richard-Müller-Schule und ihre Berufswünsche vor.

Während viele Flüchtlinge die Reise in ein neues Land und damit oft ein neues Leben mit ihrer Familie antreten, war Munir Amini aus Afghanistan allein auf dem Weg nach Deutschland. „Ich konnte kein Wort sprechen“, sagt der 18-Jährige. „Das war sehr schwierig für mich.“ Zuerst ging es für ihn nach Frankfurt, wo er drei Monate lang mit 300 anderen in einem Hostel gewohnt hat. Von dort kam er nach Gersfeld, heute wohnt Munir in Fulda.

Die erste Zeit hier beschreibt er als sehr kompliziert. Man soll ankommen, die Sprache lernen, sich integrieren. Aber „wenn ich Hilfe brauchte, wie sollte ich jemandem sagen, was ich genau brauche? Und wenn ich jemand anderem helfen wollte, das konnte ich auch nicht. Ich konnte zwar ein wenig Englisch, aber das auch nicht so perfekt.“ Also machte Munir, was ihm richtig erschien. „Ich habe mir gesagt: Du musst in diese Gesellschaft reingehen, mit Menschen Kontakt aufnehmen. Nur so kann ich die Sprache lernen.“ Er hat Theater gespielt und so die Worte gelernt. Inzwischen unterhält er sich ohne Probleme auf Deutsch und hat gerade seinen Hauptschulabschluss gemacht.

„Eigentlich würde ich hier gern weiter zur Schule gehen. Aber das geht nicht, weil Afghanistan wieder als sicheres Land genannt wurde.“ Afghanische Asylbeantragende werden nach und nach zurückgeschickt. Für Schüler bedeutet das, dass sie nicht weiter in Deutschland lernen können. Den Realschulabschluss dranhängen? Das ist für die meisten nicht möglich. Nur wer einen Ausbildungsvertrag hat, kann die Ausweisung aufschieben. „Ich glaube aber nicht, dass das die Schuld von Deutschland ist. Unser Präsident will seine Leute zurückholen. Also beginne ich jetzt eine Ausbildung zum Hotelfachmann beim Holiday Inn“, sagt Munir.

Um seinen Ausbildungsplatz zu bekommen, hat Munir schon während der Schulzeit Praktika gemacht. „Ich habe Altenpflege ausprobiert, war bei einem Orthopädietechniker und Optiker. Es war nicht so leicht, an eine Stelle zu kommen. Ich habe viele Bewerbungen geschickt.“ Beim Holiday In bekam er letztlich eine Chance, die Munir gern nutzen möchte. „Jetzt freue ich mich auf den Start dort.“

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.