Wie geht Integration? Diese Frage stellen wir uns seit 2015 die erste Flüchtlingswelle in Deutschland ankam und Städte und Kommunen vor große Herausforderungen stellte. Auch die Schulen, denn sie mussten plötzlich mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die Schreckliches erlebt haben, gar nicht oder kaum die deutsche Sprache verstanden, geschweige denn sprechen konnten, aber dringend einen geregelten Schulalltag und Freunde brauchten, um zu verarbeiten, um anzukommen. Wir stellen dir junge Menschen von der Richard-Müller-Schule und ihre Berufswünsche vor.

„Wir haben die ersten Sätze wie „Wie geht es dir?“ auf Blätter geschrieben und an Wände gehängt, damit wir es lernen können.“ Die ersten Wochen in Deutschland waren eine große Härteprobe, erzählt Heidar Parves Khan. Der 17-Jährige kam hier an, als gerade Sommerferien waren. Also haben er und die anderen Jugendlichen versucht, sich jeden Brocken Deutsch zu merken, den sie aufschnappen konnten. „Als ich an die Richard-Müller-Schule kam, konnte ich mich also schon vorstellen und andere begrüßen.“ Innerhalb von nur sechs Monaten war er soweit, die Hauptschulabschlussprüfung schreiben zu können. Durchschnitt: 1,1. Respekt.

Parves ist über den Iran, Serbien, die Türkei, Bulgarien nach Deutschland gekommen. „Mein Ziel war ein sicheres Land zu finden. Als ich hier ankam und einige Zeit hier war, hat mir das hier sehr gut gefallen.“ Das Sozialsystem, die Schule, die Gerichtlichkeit. So ein sicheres Land habe er sich gewünscht. „Als ich hier ankam, stand ich erstmal unter Kulturschock. Es war sehr wichtig, dass ich mich da anfangs etwas herausnehme. Kontakt aufzubauen ist sehr schwer am Anfang.“ Deshalb hat er Sport gemacht, Fußball gespielt, Judo ausprobiert, war schwimmen. „Die Betreuer haben uns sehr dabei geholfen.“

Im Herbst möchte er seine Ausbildung zum Industriekaufmann starten. Eine Firma hat er auch bereits gefunden: Reform in Fulda. Die Firma arbeitet mit der EDAG zusammen. „Das war eigentlich nicht mein Traumjob, ich wollte eigentlich Bänker werden, ein Job, wo man mit vielen Leuten zu tun hat. Das hat nicht funktioniert. Aber ich finde den Industriekaufmann auch einen sehr tollen Beruf.“ In Praktika hat er sich orientiert, welcher Beruf am besten zu ihm passt und in welchem Unternehmern er sich wohlfühlt. „Mir hat die Firma gefallen, die Mitarbeiter, der Chef, die Maschinen, die gebaut werden.“

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QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.