Pamela Pine, Rosy Roots, Kalvin Kale – das sind keine Stars aus einem Hollywoodfilm, sondern die Hauptdarsteller einer Start-up-Geschichte. Die gebürtige Fuldaerin Annemarie Heyl (30) hat 2015 mit zwei Bekannten in Hamburg das Unternehmen Kale&Me gegründet. Mit kaltgepressten Säften wollen die Jungunternehmer nicht nur Gesundheitsfanatiker überzeugen.

Von Anna-Lena Bieneck

Die Idee für Kale&Me war Ende 2014 in Südafrika entstanden – dort machte die heute 30-jährige Annemarie Heyl ein Auslandssemester. Und lernte ihre späteren Geschäftspartner kennen. In Kapstadt tranken sie erstmals frische, kaltgepresste Säfte – „und wir dachten: Sowas wollen wir auch in Deutschland ohne Aufwand trinken können“, sagt Heyl. Aus der ersten Idee, eigene Säfte an Freunde und Familie zu verkaufen, entwickelte sich schnell ein größerer Plan.

Anfangs arbeiteten die drei Gründer aus unterschiedlichen Ländern: David Vinnitski war noch beruflich in Dublin, Konstantin Timm in New York unterwegs. Und Annemarie Heyl machte in Hamburg ihren MBA (Master of Business Administration). Nach ihrem Abschluss begann sie, die Produktion aufzubauen.

Der nötige Geschäftssinn wurde der 30-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. Ihre Familie hatte 1949 das Grundstück neben der heutigen Hochschule Fulda gekauft und eines der größten Mühlenunternehmen Deutschlands gegründet. Bis zum Jahr 2000 wurde in der Heyl-Mühle – daneben Heyls Elternhaus – Mehl produziert, bis Ende 2014 noch gelagert.

„Da ich aus der Lebensmittelbranche komme, ist es mir sehr wichtig, ein genaues Auge auf unsere Produkte zu behalten. Deshalb bin ich bei jedem Produktionstag vor Ort“, sagt Heyl. In einer Mosterei in der Lüneburger Heide entstehen sieben verschiedene kaltgepresste Säfte. „Bei diesem Prozess bleiben wichtige Nährstoffe enthalten“, erklärt Heyl. Nach dem Pressen wird der Saft direkt in der Mosterei abgefüllt. Am Anfang klebten die drei die Etiketten noch selbst auf die PET-Flaschen, mittlerweile hat das eine Behindertenwerkstatt übernommen.

Die Säfte haben die drei Gründer mit Hilfe eines Ernährungsexperten selbst kreiert. Die Idee: Eine dreitägige Kur – sechs Säfte pro Tag ersetzen die übliche Ernährung – soll entschlacken und den Einstieg in eine Ernährungsumstellung bieten. „Wir wollten aber keinen Gesundheitssaft, der nur nach grün schmeckt“, betont Heyl. Neben Grünkohl (englisch: Kale) stecken unter anderem Karotten, Äpfel und Mandeln in den Säften. Die Früchte kommen zum Großteil aus der Hamburger Umgebung. Die Entscheidung, sich im Norden anzusiedeln, war kein Zufall: „Hier liegt das größte zusammenhängende Obst-Anbaugebiet Europas. Durch das besondere Klima gibt es hier einige Obst- und Gemüsesorten in einer Vielfalt, die man in anderen Regionen nicht findet – zum Beispiel Grünkohl und Sanddorn“, erklärt Heyl.

In den Säften stecken aber auch Früchte aus dem Ausland. Auch hier lege man Wert auf Herkunft und Qualität: „Avocados beziehen wir zum Beispiel von einem Familienbetrieb in Mexiko.

Saft on Social-Media

Eine Kur, die in mit Kühlpacks ausgestatteten Paketen verschickt wird, enthält 18 Säfte. Dafür werden 8,5 Kilo Obst und Gemüse benötigt. 24 Tonnen verarbeitet das Unternehmen monatlich zu rund 50 000 Flaschen. Diese Zahl ist seit 2015 stetig gewachsen ­– spätestens seit der VOX-Sendung „Höhle der Löwen“ im August 2016, in der Gründer nach Investoren suchen. Die Investoren waren zwar nicht ganz auf den Grünkohl-Geschmack gekommen – dafür aber Tausende Neukunden. „Mehr als 2200 Anrufe und 9000 Mails haben uns im Monat erreicht“, erzählt Heyl. Deshalb ist auch das Team stark gewachsen: Mit den drei Gründern sind es heute rund 30 Mitarbeiter.

Soziale Netzwerke und Blogs sind für das Start-Up wichtige Werbeplattformen. Grundkonzept war der Onlinevertrieb. Mittlerweile hat Kale&Me aber auch den Einzelhandel ins Visier genommen. In einigen Städten in Deutschland und Österreich stehen die Säfte bereits im Kühlregal.

Mit der Gründung von Kale&Me hat sich Annemarie Heyl nicht nur einen Traum erfüllt. Sie verfolgt eine konkrete Idee: Das Verständnis von gesunder, nachhaltiger Ernährung zu revolutionieren. Frische und natürliche Inhaltsstoffe, eine faire Bezahlung von Mitarbeitern und eine einwandfreie Verpackung seien mehr wert als ein paar Cent. „Wir sind überzeugt, dass Lebensmittel lokal produziert und verkauft werden können.“

Auch in Fulda sind Pamela Pine, Catie Carrot, Al Avoca, Rosy Roots, Kalvin Kale, Amy Almond und Billy Basil zu haben: in der URBANIC Fitness Lounge in der Friedrichstraße.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFotos: Anna-Lena Bieneck und Kale&me
Teilen