14,89 Millionen – so viele Deutsche haben im vergangenen Jahr ehrenamtlich gearbeitet. Löblich, nimmt nur kaum einer wahr. Das müsse sich ändern, meint Marcus Abé von der Organisation Arbeiterkind.

Marcus Abé ist 42 Jahre alt, hat eine abgeschlossene Bankerlehre hinter sich – und er studiert, Vollzeit, ohne Abitur. Daneben arbeitet er ehrenamtlich für Arbeiterkind, ein Verein, der Jugendliche aus Arbeiterfamilien bei Themen rund ums Studium unterstützt.

Aus einfachen Verhältnissen

„Ich komme aus einer sehr einfachen Familie. Mein Vater war Maurer, meine Mutter hat gar keine Ausbildung.“ Marcus konnte schon im Kindergarten lesen. Gefördert wurde er aber nicht. „Bildung war unheimlich weit weg von mir, fast schon unerreichbar.“ Trotzdem hat er nicht aufgegeben und sich durchgebissen. Bis zur 8. Klasse war der aus der Nähe von Tann (Rhön) stammende 42-Jährige in der Hauptschule – keine typische Station auf dem Weg ins Studium. „Trotzdem hatte ich da schon den Wunsch, einmal zu studieren.“

Studieren ohne Abi

Gesagt, getan. Marcus hat seinen Realschulabschluss nachgemacht. Dann ging’s für ihn nach Wiesbaden mit der Mission: Hochschulzugangsberechtigung im Bereich Sozialpädagogik. „Ich musste eine mündliche und eine schriftliche Prüfung machen. Nur so konnte ich ohne Abitur studieren, allerdings nur in Hessen und nur dieses Fach.“ Jetzt studiert er Soziale Arbeit an der Hochschule in Fulda. Marcus hat sogar ein Aufstiegsstipendium bekommen. Dabei hat ihn Arbeiterkind unterstützt.

Das Ehrenamt bei Arbeiterkind

Seine Erfahrungen gibt er heute an andere weiter. Vor einigen Jahren, bei einem Hochschulinformationstag ist er auf Arbeiterkind aufmerksam geworden. „Ich habe mich in deren Vortrag wiedergefunden.“ Als Mitglied der Organisation unterstützt er Jugendliche aus Arbeiterfamilien, die studieren wollen. „Ich bin Ansprechpartner für alle, die zu uns kommen, bin bei jedem Stammtisch dabei. Nichts ist schwieriger, als den ersten Schritt zu machen.“

In Schulen – auch Haupt- und Realschulen – spricht Marcus den Schülern Mut zu. „Viele kennen ihre Möglichkeiten gar nicht und stoßen in der Familie auf taube Ohren.“ Er selbst hatte immer Zweifel. Packe ich das Studium? Bin ich den Anforderungen gewachsen? Marcus hat sich von Semester zu Semester gehangelt, ist mittlerweile im fünften. „Ich will auch unbedingt noch den Master machen, am liebsten im Fach der Angewandten Sexualwissenschaften an der FH Merseburg in Sachsen-Anhalt.“

Ehrenämter sind nicht selbstverständlich

Ihm hat das Ehrenamt Sicherheit gegeben, seinen Mut gefestigt. „Mut ist sehr wichtig. Den spreche ich allen zu.“ Durch die Arbeit habe Marcus viele interessante Kontakte geknüpft. Zusätzlich betreut er seit gut drei Monaten einen syrischen Flüchtling. Seine Ehrenämter übt er gerne aus, „auch wenn das in der Gesellschaft nicht immer ausreichend honoriert wird. Vieles läuft so nebenbei, wird als Selbstverständlichkeit gesehen. Das ist es nicht.“

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