Nicht mehr ganz zwei Wochen noch – dann haben sie es geschafft. In der sechsten Fastenwoche erzählt das Team, ob der Verzicht schmerzt, erhellt oder schlicht Nebensache ist. Ab Ostersonntag dürfen sie wieder. Endspurt!

Daniel fastet Serien

Daniel Beise
Foto: Steffen Hildenbrand

Puh. Ich muss zugeben: Ich fühle mich etwas klein derzeit – trotz meiner knapp 1,90 Meter. Warum? Ich habe offensichtlich zu viele Dokus über das Universum geschaut, die Reihe in der ZDF-Mediathek mit Morgan Freeman und „Unser Kosmos“ auf Netflix vor allem. Ich liebe Dokus über Evolution, den weiten Kosmos und die wildesten Theorien, wie alles funktioniert. Doch nach zahlreichen Astrophysikern und Quantentheoretikern, die die von uns wahrgenommene Realität infrage stellen und meinen, wir leben in einer Illusion, die Leben neu definieren – in dem Sinne, dass das ganze Universum ein Lebewesen ist, dessen Herzschlag der Urknall ist, der ja immer noch anhält und sich die Gesetze der Physik auch erst in einer Evolution zahlreicher Universen entwickelt haben, fühle ich mich zurecht wie ein unbedeutendes Atom.

Oder die Theorie der Paralleluniversen, die besagt, dass unendlich viele Realitäten von dir existieren, oder schlicht die Tatsache, dass unsere Galaxie mit 2,5 Millionen Stundenkilometern durch das Universum rast – na, fühlst du dich auch schon ganz winzig? Aber zum Thema: So spannend solche Dokus sind, so sehr merkte ich vergangene Woche, dass ich mich wieder nach einer anderen Berieselung sehne. Denn genauso liebe ich es, in eine von Menschen geschaffene Realität abzutauchen. Am Sonntag habe ich nach ’ner Runde „Fest und Flauschig“ die dritte Staffel der fantastisch-grotesken, wahren Geschichte von „Fargo“ nebenher laufen lassen. Die Wochen ohne Serien haben mir auch gezeigt: Phasenweise schaue ich wirklich zu viel – ob ich wieder ins alte Muster zurückfalle, kann ich nicht sagen. Bis Ostern ziehe ich’s jedenfalls noch durch.

Eva verzichtet auf Schokolade

Eva Rützel
Foto: Steffen Hildenbrand

Und führe uns nicht in Versuchung…

Immer wieder kaufen meine Eltern Schokoladenkekse, Kuchen mit Schokostreuseln oder andere schokoladige Leckereien, wenn ich zu Besuch komme. Lieb gemeint, aber ich muss nun mal dankend ablehnen. Wenn ich dann noch Sätze wie „Übertreib es doch nicht“ oder „Das ist doch nur ganz wenig“ höre, ist die Versuchung nach wie vor groß.

Ich gebe es zu, zweimal habe ich versehentlich doch genascht: Am Frühstücksbuffet Schokocornflakes und zwei Schokoladenkekse in der Redaktion. Ehrlich! Diese beiden Male habe ich es einfach vergessen. Zum Glück gibt es Sonntage, an denen ich mir manchmal legal eine Kleinigkeit gönnen kann.

Bei meinem Umzug am letzten Wochenende sind mir mal wieder meine vielen Backformen aufgefallen. Ich plane auf jeden Fall nach Ostern eine Schokoladensünde zu backen und dazu ein paar Freunde in meine neue Wohnung einzuladen.

Bei Toni gibt es keine Chips und Cola mehr

Toni Spangenberg
Foto: Steffen Hildenbrand

Die Fastenzeit ist auf der Zielgeraden. Bald sind Chips und Cola wieder erlaubt für mich. Zugegeben, ganz konsequent war ich in den zurückliegenden Wochen nicht. Hier und da habe ich ein bisschen gecheated. Zählt MezzoMix als Cola? Sind Tacos wirklich Chips? Auslegungssache. Wie heißt es so schön: Der Gedanke zählt.

Immerhin lässt mich die Fasten-Challenge intensiver über den Konsum von Chips und Cola nachdenken. Wie kann ich beides vermeiden? Wie durch gesündere Alternativen ersetzen? Bei meinem letzten Besuch im Restaurant habe ich mich für eine Apfelschorle statt Cola entschieden. Die ist nicht nur gesünder, sondern kostet auch weniger – eine klassische Win-Win-Situation. Abends zum Netflixen gibt’s bei mir anstelle der Tüte Chips, frisches Gemüse. Pluspunkt: Ich kann mit gutem Gewissen snacken.

Davon abgesehen, ist mir der Verzicht in den letzten zwei Wochen ziemlich leicht gefallen. Mit Grippe schmeckt nämlich alles gleich. Da spart man sich die zwei Euro für eine Tüte Chips lieber, denn genießen kann man sie sowieso nicht.

Jenna gibt das Rauchen auf

Jenna Weidemeier
Foto: Steffen Hildenbrand

„Ganze fünf Wochen ohne Glimmstängel – Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Seit meinem kleinen Rückfall, habe ich zum Glück keine einzige Zigarette mehr angefasst. Die neugewonnene Energie lasse ich in Bewegung raus. Seit dem Rauchstopp probiere ich mich mehr und mehr in Qigong und Yoga. Für die, denen es nichts sagt: Qigong ist ein chinesisches Training, welches den Fokus auf die Atmung legt. So weit, so gut.

Ab und an packt mich dann doch die Lust. Nicht die Lust nach Zigaretten – viel mehr möchte ich überhaupt irgendetwas konsumieren. Dann schreit mein Suchtverlangen: „Schokolade!“ oder „Kaffee!“ Auch nicht unbedingt gesund, aber alles ist besser als die Qualmerei. Und wie wird es nach der Fastenzeit weitergehen? Eins steht fest: die Zigaretten lasse ich in Zukunft weg. Jetzt muss ich nur noch das mit der geliebten Schokolade in den Griff kriegen.“

Mariana lässt die Finger vom Kaffee

Mariana Friedrich
Foto: Steffen Hildenbrand

Fast geschaaaaafft. Ja, bisher ist mir der Verzicht auf Kaffee nicht schwergefallen. Stimmt. Aber so langsam sehne ich mich nach einer Tasse des schwarzen Gebräus. Auch, weil meine lieben Mitmenschen sich eher über mich lustig machen, statt mich seelisch und moralisch zu unterstützen.

„Willst du wirklich keine Tasse? Ich verrate es auch nicht!“ Frechheit. Mein lieber Freund hat sich sogar ganz provokant neulich eine große Kanne Kaffee gemacht, obwohl er sonst eher Tee trinkt … Nichtmal an den Sonntagen wurde ich schwach – wenn schon, denn schon. Naja, bis auf das eine Urlaubsmaleur.

Ich muss auch ständig erklären, warum ich als nicht-religiöser Mensch faste. Dass man sich damit selbst auf die Probe stellen kann und es ab und an ganz heilsam ist, sich mit dem eigenen Konsum oder Kaufverhalten zu beschäftigen, lassen meine Freunde nicht gelten. Egal. Ich halte also weiter tapfer durch. Nicht mal mehr zwei Wochen. Zehn Tage. 240 Stunden. 14.400 Minuten … Puh.

Nadine gibt 40 Tage lang kein Geld aus

Nadine Buß
Foto: Steffen Hildenbrand

Ich habe kapituliert! An Tag 30 habe ich 45 Euro aus meinem Geldbeutel gezückt – für einen neuen Haarschnitt, der zudem nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Moralisch gesehen war es sogar schon zwei Tage früher soweit. Immerhin musste ich einen Termin vereinbaren. Weitere 13 Euro sind draufgegangen, um meine sozialen Kontakte zu pflegen – in Form eines Cocktails. Zum Brunchen wurde ich allerdings eingeladen, check. Dann sind noch kleine Beträge angefallen. Aber drei Glühbirnen und ein Parkticket zähle ich nicht zu Konsum, die sind nicht der Rede wert.

Aber ich habe innerlich aufgegeben, und das ist der Rede wert. Ich bin Fasten leid. Nachdem vor zwei Wochen noch sämtliche Verführungen eiskalt an mir abprallten, ist jetzt absolut nichts davon übrig. Im Gegenteil: Ich bin kurz vorm Kaufrausch.

Letztes Wochenende habe ich mich in Kaufhäusern schon an Dinge meiner Begierde angepirscht. Nur mal gucken, für was ich mein Geld verprassen könnte … Sparen? Pahh … Mit der Summe auf meinem Konto könnte man doch tolle Dinge kaufen. Ein Tablet zum Beispiel, oder neue Klamotten. Am liebsten beides und noch mehr! Meine Vorräte müssen wieder aufgefüllt werden – einen neuen Mascara brauche ich, ebenso wie Make-up und, und, und. Die Vernunft habe ich weggesperrt, sie kommt nur mit kleinlauten Einwänden daher: Versuche die letzten Tage noch durchzuhalten. Noch bist du mit 210,90 Euro nicht über deinem Zielwert. Aber ganz ehrlich: Ich kann gerade für nichts garantieren. Der Tiger ist aus dem Käfig.

Für Marcus gibt’s kein Fleisch mehr

Marcus Lotz
Foto: Steffen Hildenbrand

Leckere Lasagne, dampfende Spaghetti Bolognese, knusprig gebratene halbe Hähnchen – Bilder, die einem nach fünf Wochen Abstinenz unweigerlich durch den Kopf geistern. Wohlgemerkt: fünf Wochen am Stück. Anders als meine Kollegen habe ich nämlich keine Fastenpausen an den Sonntagen eingelegt (schulterklopf). Gut, das geschah weniger aus einem Übermaß an Disziplin heraus – dass Schummeln am Sonntag erlaubt ist, hatte ich schlicht nicht mitbekommen. Im Nachhinein bin ich jedoch ganz froh darüber, ist die Herausforderung, durchgängig auf etwas zu verzichten, doch gleich eine ganz andere, als sich zwischendurch eine Atempause zu gönnen.

Abzüglich der Sonntage kommt das Ziel also langsam in Sicht: Am Montag darf endlich wieder Fleisch auf den Teller. Auch wenn es bisher wenige Momente gab, in denen ich wirklich in Versuchung gekommen bin, freue ich mich jetzt schon darauf, bald wieder Fleisch essen zu dürfen. Geholfen hat bisher auch der kleine Christentrick mit dem Fisch, ohne den sich das Fasten noch einmal deutlich fleischloser anfühlen würde.

Mein Zwischenfazit: Ein Dasein als Vegetarier mag für ein, zwei Monate erträglich sein; ein Leben lang auf Fleisch zu verzichten, wäre jedoch nichts für mich.

Die Redaktion fastet – Wieso?

Die bisherigen Beiträge zum Thema kannst du hier nachlesen:

Die Redaktion fastet

Eine Woche ohne … Wie läuft es?

Woche drei der Fasten-Challenge … So geht es unseren Autoren mit ihrem Verzicht

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Mariana Friedrich

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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.