Sie hatte versucht, einen Streit zwischen einigen Männern zu schlichten. Dafür wurde ein 14-jähriges Mädchen Freitagabend am Fuldaer Bahnhofsvorplatz ins Gesicht geschlagen und zu Boden gestoßen, berichtet die Polizei. Als ein anderer Passant der Heranwachsenden zu Hilfe eilte, schlug der Täter erneut zu.

Ein Text von Markus Kubiak

„Wenn das schlecht läuft, haben wir den Fall Tuğçe in Fulda.“ Polizeipressesprecher Martin Schäfer findet nach der Auseinandersetzung drastische Worte. Die Tat vom Fuldaer Bahnhofsvorplatz weist Parallelen zum Fall der Studentin aus Bad Soden-Salmünster auf, die im November 2014 auf einem Parkplatz in Offenbach von einem jungen Mann geschlagen wurde und sich beim Sturz tödlich verletzte.

Eine junge Frau mischt sich ein und gerät dadurch selbst in Fadenkreuz. Wie kam es dazu? Die beiden Gruppen, jeweils drei Männer, waren um 19.45 Uhr im McDonalds aneinander geraten. Als sie den Laden verließen, ging der Streit weiter. Das bekam die bis dahin unbeteiligte 14-Jährige – sie stammt aus dem Vogelsbergkreis – mit, und wollte nach eigener Aussage schlichten.

Daraufhin habe einer der Männer das Mädchen angegangen. Er beleidigte sie, wurde handgreiflich, so die Polizei. Er schlug ihr ins Gesicht und stieß sie anschließend zu Boden. Das bemerkte wiederum ein 28-jähriger Fuldaer. Er kam dem Mädchen zu Hilfe – und wurde ebenfalls angegangen. Durch einen Schlag mit der Faust ging der Helfer zu Boden, so die Polizei.

Der Schläger traktierte den 28-Jährigen weiter, trat ihn, während der couragierte Mann bereits am Boden lag. Anschließend flohen der Schläger und seine beiden Begleiter. Die Polizei bekam sie nicht zu fassen und sucht nun den Täter. Die Beteiligten beschreiben ihn folgendermaßen: Er war etwa 1,70 Meter groß und hatte braun-schwarze Haare. Er trug einen schwarzen Sportanzug und eine Mütze auf dem Kopf.

Zivilcourage, aber nicht um jeden Preis

Zivilcourage sei wichtig, jedoch nicht um jeden Preis, mahnt Polizeisprecher Schäfer eindringlich. „Sich einer Gruppe von Männern entgegen zu stellen ist mutig, jedoch ebenso leichtsinnig“, sagt Schäfer. Der Fall ging glimpflich aus. Das Mädchen trug einige Blessuren davon, ebenso der 28-jährige Fuldaer.

Die Polizei steht mit ihren Ermittlungen am Anfang. Noch ist eine ganze Reihe von Fragen offen. Die Beamten hoffen darauf, dass die Überwachungskameras auf dem Bahnhofsvorplatz Licht ins Dunkel bringen.

Helfen, aber wie?

– Unterstützung organisieren
– Öffentlichkeit herstellen – Passanten auf die Situationaufmerksam machen
– Initiative ergreifen und einen Notruf absetzen
– Umstehende zum Handeln motivieren
– Opferperspektive einnehmen, sich die Fragestellen: „Was würde mir jetzt helfen?“

Wichtig: Sich nicht selbst in Gefahr bringen.

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QuelleFoto: Jacqueline Kleinhans
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