Youth Romanian Partnership – dafür steht Youropa, der Kinder- und Jugendhilfeverein, der im Underground in der L14 beheimatet ist. Seit 15 Jahren besteht er nun schon, und die wenigsten wissen, was die Abkürzung eigentlich bedeutet. Doch die Rumänienhilfe aus Fulda geht bis Anfang der 90er zurück. 

Manuel Lebek, Vereinsvorstand bei Youropa e.V.

1990 brachten der Spiegel und Spiegel TV einen Skandal aus der rumänischen Stadt Cighid ans Licht, der vor allem in Europa, aber auch weltweit die Medien beschäftigte. Es waren schreckliche Bilder aus einem Kinderheim, das in „Wahrheit ein Sterbelager“ war, so der Spiegel. Eingepfercht in Käfige, unterernährt, verwahrlost, unfähig, zu sprechen, dem Tode nahe – Bilder, die eine Welle der Hilfsbereitschaft auslösten, die viele der Kinder rettete.

So auch von Fulda ausgehend. Schon damals haben sich Engagierte zusammengesetzt und überlegt, wie man den rumänischen Kindern helfen kann – außer mit Geld. Doch bis die Helfer der ersten Stunden den Kinder- und Jugendhilfeverein Youropa gründeten, dauerte es noch ein paar Jahre.

Hilfe für eine Müllkippen-Siedlung

2002 war es soweit. Die jungen Ehrenamtler starteten unmittelbar ihr erstes Projekt in der rumänischen Partnerstadt Cluj-Napoca, die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie bauten einen Kindergarten. „Inzwischen ist daraus eine internationale Eliteschule geworden“, erzählt Manuel Lebek, der sich seit 2013 bei Youropa engagiert und heute im Vorstand des Vereins ist.

Manuel ist Dozent für Sozialwesen und Sozialwissenschaften an der Hochschule Fulda. 2013 reiste der 40-Jährige mit einer Gruppen Ehrenamtler nach Pata Rat, eine Siedlung am Rande einer Müllkippe von Cluj-Napoca, wo Menschen unter ärmlichsten, prekären Umstanden leben. Seitdem helfen sie in der Siedlung, haben diesen Sommer eine große Säuberungsaktion gestartet, wodurch die Bewohner selbst wieder animiert waren, sich um ihre Nachbarschaft zu kümmern, so Youropa.

Freies Gestalten

Um 2011 habe der Verein brachgelegen, erzählt Manuel, der mit einem Stamm aus zirka fünf aktiven Studierenden nun den Verein und die Diskriminierung von Minderheiten wie Roma wieder in den Fokus rücken will – vor allem in den Schulen. „Dazu haben wir eine Art Bildungs-Task-Force gegründet“, grinst Manuel, „die sich regelmäßig trifft.“ Youropa organisiert zusammen mit dem Streetwork Aschenberg und der Jugendkulturfabrik Fahrten für Jugendliche, meist zwischen 15 und 18, nach Rumänien. Hier gehe es vor allem um Jugendbegegnungen, erklärt Manuel. Darum, dass die Jugend hier aus ihrer Komfortzone ausbricht, sieht, wie es Kindern und Jugendlichen woanders geht. So hätten sich bei einer Reise die Teenies auf der Hinfahrt allein für ihr Smartphone interessiert. Als sie aber bei der Müllkippen-Siedlung waren, sei ihnen bewusst geworden, wie gut es ihnen geht, so Manuel. Keiner sei auf die Idee gekommen, wieder im Smartphone zu versinken. Natürlich engagiert sich der Verein neben der Rumänienhilfe auch vor Ort, zum Beispiel in der Nähbar oder dem Kleidertauschladen in der L14.

15 Jahre nach seiner Gründung befindet er sich im Umbruch. Neue, junge Mitglieder rücken nach, und die Aktiven hoffen natürlich auf mehr – auch vor dem Hintergrund der Rekordzahlen an Erstsemestern, die dieses Jahr nach Fulda gekommen sind. „Wir wollen natürlich auch auf uns aufmerksam machen, um für Spenden zu animieren“, so Manuel. „Der Vorteil gegenüber anderen Vereinen ist bei uns, dass man frei mitgestalten kann, Strukturen und Aufgaben sind noch nicht vollends vergeben. Und wir kriegen hier Studierende der Interkulturellen Beziehungen und der Sozialen Arbeit wunderbar unter einen Hut.“

Youropa zieht mit der L14 mit

Da der Mietvertrag des Vereins für das Underground Ende des Jahres nicht ausläuft, ist das Vereinsheim erst mal nicht gefährdet – anders als die restlichen Initiativen in der L14. Allerdings brauche die internationale Hilfe kein Büro, meint Manuel, „und wir würden wohl eher mit der L14 umziehen, um die Strukturen beizubehalten.“

Wenn du dich beim Kinder- und Jugendhilfeverein engagieren möchtest, melde dich einfach hier bei Manuel Lebek, schreibe ihn auf der Facebook-Seite an oder schaue freitags ab 22 Uhr im Vereinsheim Underground vorbei.

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