Diese Aktion könnte Schule machen: Bei der Galeria Kaufhof landen übrige Schokohasen in diesem Jahr nicht im Abfall, sondern verwandeln sich in Schokokuchen. Am verkaufsoffenen Sonntag am 11. Juni werden diese verkauft. Ein Teil des Erlöses geht an den Heimattiergarten Fulda.

Ein Text von Stefanie Kraus und Mariana Friedrich

Auch bei mir versteckt sich noch einer im Schrank: Die Ausbeute des Osterfestest war mal wieder größer als mein Hunger auf Schokolade. Vollmilch ist sowieso nicht so meins, weshalb sich mit Sommeranfang immer noch ein Schoko-Langohr in meinem Süßkramfach tummelt und darauf wartet, für Schokofrüchte, Muffins oder Kuchen herzuhalten. Dafür machen sich die Osterüberbleibsel nämlich ganz wunderbar.

Bei der Galeria Kaufhof wie bei vielen anderen Läden mit großem Süßwarenangebot war Ostern vorgestern. Beim Blick ins Großhandels-Lager, könnte man jedoch meinen, das Fest sei nicht vorbei, sondern stünde gerade vor der Tür. Ganze 36 Kilogramm Schokolade ist von Ostern 2017 übrig, Hasen, Eier und Küken, die natürlich nicht schlecht sind, aber auch nichts mehr im Regal zu suchen haben. Was geschieht damit? Freifahrtschein in die Mülltonne?

„Schade um die Ware!“, stellt Marcel Weiler, Leiter der Lebensmittelabteilung im Galeria Kaufhof, ernüchternd fest. Seine Bemühungen, die Schokotiere an soziale Einrichtungen zu verschenken, scheiterten. „Da kam mir eine Idee“, erzählt der junge Fuldaer, der gegen Lebensmittelverschwendung ein Zeichen setzen will. Die Osterleckereien sollen sich wie bei vielen zu Hause auch bei der Galeria in Kuchen verwandeln.

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Eigene Kreation

Dietrich Friesen, Inhaber der Bäckerei Ballmeier, fand die Idee toll und willigte sofort ein, Weiler zu unterstützen. Aber „ganz einfach ist es nicht, daraus Kuchen herzustellen, weil der Kakaogehalt zu gering ist.“ Doch Friesen, Bäckermeister in Fuldas ältester Backstube und bekannt für seine Brotkreationen und weihnachtlichen Hexenhäuschen, nimmt die Herausforderung an. Eigens für Weilers Schokohasen kreiert er ein Kuchenrezept. Die Rezeptur ist geheim, nur soviel: der geschmolzenen Schokolade wird ein Bett aus Rührteig bereitet, zugedeckt wird sie mit zartschmelzender Canache-Creme.

Um die 20 Blechkuchen werden derzeit gebacken. Der Bäckermeister reichert die geschmolzene Masse mit Kakao an, verfeinert mit Sahne, und voila, fertig ist die süße Versuchung. Den Probekuchen gab es schon, der die Verkostung durch die Belegschaft nicht lange überlebte.

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Hasen für Hasen

Friesen unterstützt die Aktion nicht nur den Hasen zuliebe, die so der Tonne entgehen, sondern auch, weil der Erlös des Kuchenverkaufs teilweise an den Heimattiergarten in Fulda gespendet wird. „An Umsatzsteigerung hat keiner gedacht; schließlich wäre die Ware ohnehin nicht verkauft worden. Galeria Kaufhof spendet 50 Cent pro Stück an den Heimattiergarten“, erklärt Marcel Weiler. Schokokuchen gegen Lebensmittelverschwendung? Da muss man einfach zugreifen.

Lediglich die Kosten für die weiteren Kuchenzutaten sollen gedeckt sein. „Funktioniert die Aktion, könnte das zur Recycling-Strategie für übrige, feinste Schokolade in jedweder Form werden“, schmunzelt Weiler und freut sich auf Sonntag.

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QuelleFotos: Stefanie Kraus
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.