Die Stolpersteine in Hünfeld sind wieder blitzblank. Dafür haben der Lions und die Hünfelder Leos gesorgt. Warum? Erfahre hier die Hintergründe zur außergewöhnlichen Putzaktion.

Die Aktion zeugt vom Respekt gegenüber den deportierten Juden während der Nazi-Herrschaft. Überall in der Stadt finden sich die jetzt wieder glänzenden Steine mit den Namen und Deportationsdaten der verfolgten Juden. Durch sie werden wir auf unserem Weg durch die Stadt tagtäglich an den Massenmord der Nazis an den Juden erinnert.

Seit fast acht Jahren gibt es die Steine jetzt schon in Hünfeld – insgesamt 14 Stück. Der Erfinder, der Kölner Bildhauer Gunter Demnig, hat sie persönlich vor die letzten Häuser der Holocaustopfer gesetzt. Gereinigt wurden sie nie – bis jetzt. Die Lions und Leos aus Hünfeld haben die Sache übernommen.

„Für ein Objekt, das auffallen und ins Auge stechen soll, sind die Steine in einem erbärmlichen Zustand“, erklärt Martin Ebert, Vorstand des Lions Club Hünfeld. Mit einem riesengroßen Aufwand seien sie 2009 eingeweiht worden. Seitdem sei nichts passiert. Sie verwitterten, wurden schwarz und stumpf.

„Mit der Aktion sollen auch jüngere Menschen für die Geschichte sensibilisiert werden. Dieses Bewusstsein für das Gedenken muss man bei den Jüngeren wecken.“ Damit bei der Reinigung nichts kaputt geht, hat sich Ebert vorher mit dem Künstler ausgetauscht. Mit Stahlwolle und Scheuermilch bewaffnet starteten die sechs Freiwilligen die Aktion.

In Zukunft sollen andere Jugendorganisationen in Hünfeld die Putzaktion fortführen, wie zum Beispiel die Pfadfinder oder die Jugendfeuerwehr. So würden die Stolpersteine jedes Jahr aufpoliert. „In letzter Zeit sind sie einem überhaupt nicht mehr aufgefallen. Der optische Reiz fehlte durch den Schmutz einfach.“

Die Ermordeten

Die Stolpersteine verraten, welche jüdische Familie früher einmal am jeweiligen Ort gewohnt hat. Sie zeigen, wann die Menschen in Konzentrationslager deportiert und schließlich kaltblütig ermordet worden. Familie Strauss zum Beispiel überlebte den Holocaust nahezu komplett. Emelie Strauss erlebte die Wiedervereinigung mit ihren Verwandten nicht mehr. Die Gestapo verhaftete sie im Mai 1943 in Amsterdam. Emelie wurde deportiert und in Sobibor von den Nazis ermordet.

Mehr über die tragischen Schicksale der Hünfelder Juden erfährst du auf der Seite „Auf den Spuren jüdischen Lebens im Hünfelder Land“.