Endlich Frühling! Der Duft der Paarungswilligen liegt in der Luft. Es ist Zeit für Freizügigkeit und Open-Air-Events. Aber mal ehrlich: So viele Partys sind irgendwie nur noch zu Partnerbörsen verkommen. Auf Perfektionismus gebürstete Jugendliche, wo man hinschaut. Partys sind zum Ausflippen da – macht euch mal locker!

Unbestreitbar sind Feiern wohl schon seit Jahrhunderten Ort der Begegnung; eine lockere Gelegenheit, um neue Leute kennenzulernen, Beziehungen zu knüpfen. Wo könnte das auch besser funktionieren? Doch irgendwie sind immer mehr Events für uns nur noch Mittel zum Zweck, um den nächsten Fang zu machen. Die Musik, die Deko, die Künstler sind in den Hintergrund abgedriftet. Single-Partys mit verschiedenfarbigen Bändchen für One-Night-Stand- oder Flirtwillige sind inzwischen Gang und Gebe. Dieser verkrampfte Zwang, ständig was am Laufen haben zu müssen, hat auch die Partykultur vereinnahmt.

Schweißgebadet aufm Dancefloor – läuft!

Und wie uns Magazine wie „taff“ oder Shows wie „Germany’s Next Topmodel“ ständig eintrichtern, muss natürlich der Look absolut perfekt sein und darf auch während der Party nicht an Coolness einbüßen. Gott bewahre, wenn der Style grade nicht dem aktuellen Hipster-Trend entspricht oder die Frisur schon nach drei Stunden an Volumen verliert. Wenn ich auf einer Party lande, wo die Frauentoilette vor sich schminkender Mädels überquillt, weiß ich, dass ich falsch bin. Von oberflächlichen Balz-Arenen mit schlechter Chartmusik halte ich mich fern. Ich brauche eine ausgelassene Party-Atmo, wo sich auf dem Dancefloor alle vor allem wegen der Musik, und weniger wegen Imponiergehabes, angrinsen, weil der Sound ihnen kollektiv Gänsehaut über den Rücken jagt. Party um der Party Willen halt.

Nun ist endlich Zeit für Open-Airs und Festivals, die Stimmung draußen von Natur aus lockerer. Aber auch hier tummeln sich so viele, denen man ansieht, dass sie nonstop an ihr Äußeres denken. Logo machen meine Kumpels und ich uns auch etwas zurecht, aber das ist selten von Dauer. Die Schuhe fallen als erstes. Barfuß tanzen macht noch am meisten Spaß – und das ist dann wirklich Sport. Vom Schweiß durchnässte Shirts. Läuft! Ein frisches ist meist im Rucksack. Wenn nicht, auch schnuppe. Es riechen ja alle nicht gerade frisch geduscht. Natürlich fällt das Anmachen, Flirten oder Rummachen hier nicht weg. Aber wir landen eigentlich nur auf Partys, wo die Kunst und die Musik gefeiert werden. Wo wir nur Blödsinn mit den Kumpels im Kopf haben, wo wir nicht schräg angeschaut werden, wenn’s uns überkommt und wir wie Kids über die Wiese raufen, und wo man tiefe Gespräche führt, ohne gleich auf was aus sein zu wollen.

„Sei frech und wild und wunderbar!“

In diesem Sinne und um es mit Astrid Lindgrens Worten zu sagen: „Sei frech und wild und wunderbar!“ Wenn man ausgelassen tanzt, sich vom Sound treiben lässt, auch mal ausflippt und wieder Kind ist, wirkt das doch viel attraktiver, als möglichst cool rüberkommen zu wollen – und es kommen vielleicht Menschen auf dich zu, die du sonst nie kennengelernt hättest. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus etwas viel Besseres als ein Flirt auf einer 0815-Party.

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QuelleFoto: chagin/fotolia
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