So wenig Müll wie möglich

Fastenzeit

Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten – In der Fastenzeit versuchen viele, sich von ihren Lastern zu befreien. Zumindest für ein paar Wochen … Dann ist Ostern, und es gibt Süßigkeiten. Die sind für viele das Tor zurück in die Laster-Hölle. Auch wir haben gefastet. Wir wären aber nicht move36, wenn wir uns nicht etwas besonders Ausgefallenes ausgedacht hätten. Zigaretten und Süßigkeiten fasten kann ja jeder. In dieser Woche erwarten euch unsere Fastenkuren von Konsonanten bis Smartphone. Heute: Anna-Lena hat eine Woche genau darauf geachtet, was sie für die Tonne produziert und ihren Müllverbrauch so gut es geht reduziert.

Text von Anna-Lena Bieneck

Noch mehr kuriose Fastengeschichten gibt’s im Heft
In der März/April-Ausgabe unseres move36-Magazins haben wir uns außerdem sechs ganz ungewöhnliche Fastenwege gesucht und ausprobiert. Darunter Musikfasten, Konsonantenfasten (Was das wohl ist?), Handyfasten und „Nein“-Fasten. Das Heft gibt es in zahlreichen Kiosken der Region und auch im Abo: move36.de/abo.

Stell dir einen durchschnittlichen Lastwagen vor – voll mit Plastikmüll. Jede Minute landet solch eine Ladung in unseren Ozeanen. Grund genug, das eigene Verhalten mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich habe eine Woche lang darauf geachtet, wann ich wie welchen Müll „produziere“ und versucht, das komplett zu vermeiden. Eins vorab: Dass ich so schnell scheitern würde, hätte ich nicht erwartet.

Müll ist überall

Brainstorming: Wo fängt Müll an und wo hört er auf? Müll ist überall. Er entsteht beim Einkaufen, Essen, Arbeiten, in der Freizeit. Bereits beim Toilettengang entsteht Abfall – wer verzichtet schon auf Klopapier? Auch beim Waschen und Putzen, beim Duschen, Haare waschen und beim Schminken: Flaschen, Tuben, Dosen – jedes Produkt ist einzeln verpackt. Meistens in Kunststoff. Auch Papiermüll – als Verpackung oder in Form von Kassenbons, Rechnungen und Briefen – lässt sich kaum vermeiden. Kassenbons werden automatisch gedruckt. Selbst wenn man den Beleg nicht mitnimmt, produziert und weggeworfen wird er trotzdem. Auch wer sich nur von Gemüse und Obst ernährt, hinterlässt Reste. Müll zu vermeiden, ist praktisch unmöglich. Schließlich hausen wir nicht nackt in Höhlen und essen Käfer.

Plastik ist nicht abbaubar

Deshalb habe ich bei meinem Experiment nicht nur versucht, unnötigen Abfall zu vermeiden und Alternativen zu Plastik zu finden. Denn das ist bekanntlich nicht abbaubar und dümpelt bis zu 450 Jahre lang in unserer Umwelt herum. Einfachste Methode: Augen auf beim Einkauf! Was ist wirklich nötig, was nicht? Brauche ich meinen Kaffee unterwegs in einem Pappbecher mit Plastikdeckel, mein Brötchen in der Tüte? Warum Tomaten aus der Packung, wenn sie daneben lose liegen?

Glas eine gute Alternative

Ich war mit Stoffbeutel, Thermobecher und Brotdosen einkaufen. Beim Kaffee gleich ein Dämpfer: Die Verkäuferin durfte meinen Becher nicht annehmen – Hygienevorschriften. Fremde Behälter hinter Serviertheken sind tabu. Auch einfach nur rüberreichen ging nicht: Käse, Wurst und Fleisch müssen jeweils auf eigener Unterlage gewogen und eingepackt werden. Bei Fleisch ist Plastik Pflicht, bei Käse und Wurst genügt beschichtetes Papier. Auf Brottüten konnte ich aber verzichten und mir das Brot in die Hand geben lassen. Weil Süßigkeiten meistens eingepackt sind und deshalb tabu waren, bin ich auf Obst ausgewichen. Eine Umstellung – aber immerhin gesund. Auf Getränkeflaschen zu verzichten, war für mich dank Wassersprudler mit Glasflaschen kein Problem. Generell habe ich versucht, bei Lebensmitteln auf Glas umzusteigen: Tomatenmark, Joghurt, Essig und Öl gibt es in Flaschen und Gläsern.

Eine Woche rauchfrei

Der größte Problemfall: Hygieneartikel. Aber auch hier kann man wählen. Waschpulver gibt es zum Beispiel in Pappkartons. In der Drogerie habe ich als Ersatz für meine Flüssigseife eine feste gefunden – eingepackt in Papier. Im Internet findet man sogar Seifenstücke für Körper und Haare. Vieles gibt es allerdings nicht ohne Plastik. Klopapier habe ich nur eingeschweißt gefunden. Sogar mein liebstes Laster musste ich für eine Woche aufgeben: Müllfasten bedeutet auch, eine Woche rauchfrei zu bleiben. An der Arbeit konnte ich auf Papiermüll nicht lange verzichten. Viel zu schnell schleichen sich Fehler ein, wenn man alles nur auf dem Bildschirm liest.

Komplett ohne geht nicht

Mein Fazit nach einer Woche Müllfasten: Komplett auf Abfall zu verzichten, ist eine unmögliche Aufgabe. Aber Plastik kann man problemlos deutlich reduzieren und durch Papier und Glas ersetzen. Positiver Nebeneffekt: In den Glasbehältern kann man vieles aufbewahren, sie zum Beispiel als Blumenvasen nutzen (es ist Tulpenzeit) oder verschenken (der Renner: Kuchenzutaten in eine Flasche schichten).

In Zukunft werde ich auf eingeschweißte Ware verzichten und zur Serviertheke gehen. Wenn man mal zu faul zum Selberkochen ist und ins Restaurant ausweicht, kann man dort übrigens Strohhalme und unnötige Papieruntersetzer vorher abbestellen. Komische Blicke habe ich dabei nicht auf mich gezogen. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass so mancher bereits auf unnötigen Abfall achtet und Kellner, Barkeeper und Verkäufer solche Anliegen schon gewohnt sind. Wo ein Wille, da auch ein Weg!

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