Eigenverantwortlich eine Bankfiliale betreiben – das durften diese Woche 14 Azubis aus ganz Hessen in der Sparda-Bank in Fulda. Wir haben mit Filialleiter Matthias Böse und seinem Azubi-Pendant Manuel Klos über das Projekt gesprochen.


Woher kommt die Idee mit der Azubifiliale?

Klos: Die Sparda-Bank Hessen hatte vergangenes Jahr in Gießen schon mal eine Azubifiliale. Wir sind quasi der zweite Jahrgang des Projekts. Natürlich haben wir auch so eine gewisse Verantwortung und werden in unseren Filialen gut eingebunden. Die Azubifiliale gibt uns aber die Möglichkeit, wirklich eigenverantwortlich und selbstständig eine Filiale zu leiten. Das bestärkt uns in unserer Arbeit, und es macht sehr viel Spaß, alles in Eigenregie durchzuführen.

Herr Böse, das ist doch sicherlich nicht leicht, eine Woche lang die Azubis alles machen zu lassen?

Böse: Das war ein ganz spannendes Thema für mich. Als Führungskraft hat man sein Geschäft im Idealfall im Griff. Nun muss ich alles einfach treiben lassen. Mir ist es sogar relativ leichtgefallen, einfach mal die Azubis machen zu lassen und nur beratend zur Seite zu stehen. Ich finde, das ist eine lehrreiche Erfahrung für alle.

Inwiefern lehrreich?

Böse: Wir haben normalerweise immer Auszubildende hier. Wenn man aber eine komplette Gruppe hat, die ihr eigenes Ding macht, ist das einfach ein spannendes Projekt. Die 14 Azubis kommen aus Filialen aus ganz Hessen. In jeder wird etwas anders gemacht, und so kann man voneinander lernen.

Wie sah die Vorbereitung aus?

Klos: Im vergangenen Oktober ging die Vorbereitung los. Als erstes wurden die Stellen vergeben. Ich zum Beispiel bin der Filialleiter, dann gibt es die Berater oder die Azubis im Service-Bereich. Außerdem haben wir zwei Extrastellen geschaffen: den Eventmanager und den Floormanager.

Was lastet als neuer „Filialleiter“ für eine Verantwortung auf dir?

Klos: Es ist ein riesiger Sprung. Als Auszubildender schnuppert man in jede Abteilung rein, im ersten Jahr in den Service-Bereich und dann Stück für Stück in die Beratung. In der Vorbereitung war es hauptsächlich meine Aufgabe, allen anderen ihre Aufgaben zu geben und sicherzustellen, dass wir bis zum 29. Mai startklar sind. Dazu kommt die Verantwortung, dass alles läuft und auch die Kunden merken, dass wir mit voller Motivation dabei sind.

Wie ist die Resonanz der Kunden?

Klos: Viele kommen natürlich rein und wundern sich, dass plötzlich überall neue Gesichter sind. Sie waren aber alle positiv überrascht und haben es gut aufgenommen.

Was war die größte Überraschung der Woche?

Böse: Für mich persönlich war die größte Überraschung, dass unsere Kunden so offen dafür sind. Auch die, die wirklich personenbezogen sind. Denn die normale Belegschaft hat zur Hälfte Urlaub, und die anderen sind nur im Hintergrund als Backup in der Filiale.

Klos: Ich habe bei einem Beratungsgespräch gelauscht und mitbekommen, wie ein Kunde sagte: „Aber sie gehören doch zur Stammbelegschaft hier?“ Der hat zwar gemerkt, dass dort jemand Neues sitzt. Aber ihm war nicht klar, dass es ein Azubi war. Das spricht dafür, dass der Kunde sich gut beraten gefühlt hat.

Wird es merkwürdig am Dienstag, wieder in den normalen Bankalltag zurückzukehren?

Klos: Bestimmt! Wir gehen alle in unsere eigentlichen Filialen zurück. Dort werden uns die Kollegen erstmal löchern. Ich bin wieder auf mich alleine gestellt und kann keinem mehr Aufgaben zuteilen.

Anlässlich der Azubiwoche haben sich die Nachwuchskräfte der Bank überlegt, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Auf ihren Vorschlag hin spendete die Bank aus Mitteln ihres Gewinn-Sparvereins 5.000 Euro an die St. Antonius-Stiftung für das generationenübergreifende Projekt Ambinius.

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